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Der Petzl RocTrip 2014 geht in die Umlaufbahn: Meteora-Gebirge

Faszinierende Etappe im Meteora-Gebirge. Auf der Reise durch Griechenland ist der Petzl RocTrip 2014 in eine andere Raum-Zeit-Dimension getreten. Vom 1. bis zum 6. Oktober haben die Roctriper umgeben von sechs Jahrhunderte alten Einsiedeleien eine Kostprobe vom Klettern im Weltall erhalten.

8 Oktober 2014

Klettern

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/G. Vallot

Humor der Pou-Brüder

- "Fantastico hermano, das erinnert wirklich an Montserrat.
- Claro que si, aber ein bisschen verwittert.
- De verdad, Iker! Ich habe den Rekord aufgestellt: Ich habe in dieser Länge 15 Kiesel zerbrochen. Hahaha."

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/Lafouche

Nichts kann die ansteckende gute Laune dieser genialen Brüder aus dem Baskenland, Eneko und Iker Pou, trüben. Gleich am ersten Tag im hellenischen Basislager stürzen sie sich in eine der schwierigsten Routen. Sie befindet sich am Holy Ghost-Turm, 250 m über dem Boden mit Längen im Schwierigkeitsgrad 7c und einigen wenigen, Generationen alten Haken. Da würde sogar ein Gespenst erblassen. Aber für die Pou-Brüder ist das Klettern auf ungewissen im Sandstein eingelagerten Kieseln ein Grund mehr zum Lachen.

Große Leere zwischen den Haken

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/G. Vallot

Wo sollen wir bloß in diesem Land, wo es vor Felsen nur so wimmelt, Halt machen?

"Ich haben nach kontrastreichen Erfahrungen gesucht", erklärt Erwan Le Lann, der Kopf dieses Abenteuers. Nach den goldgelben Felsblöcken in Prilep waren die großen grauen Türme im Meteora-Gebirge einfach perfekt."

Zusammenfassung von Aris Theodoropoulos, Autor eines brandneuen Topoguide von Griechenland. "Die ersten Kletterer hier waren die Eremiten. Vor mehreren Jahrhunderten sollen Sie Passagen im geschätzten Schwierigkeitsgrad 6c geklettert sein! Das Sportklettern hat hier erst 1975 seinen Einzug gehalten, als Dietrich Hasse und seine furiose Mannschaft die Meteora-Felsen erkundeten. Sie waren Vertreter einer strikten Ethik und machten nur minimalen Gebrauch von Haken. Heute setzt sich der griechische Verband für die Verstärkung der klassischen Routen ein, da die Besucherzahlen in diesem Gebiet stark zurückgegangen sind."

Sie haben kleine grüne Männchen gesehen!

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/G. Vallot

Die Kletterer kehren von ihren ersten Milchstraßen mit Sternchen in den Augen zurück. Beim Essen im Restaurant des Campingplatzes Vrachos, das mit dem obligatorischen Tsatsiki beginnt, werden Marsgeschichten zum Besten gegeben.

"Normalerweise klettere ich 7b on sight", ereifert sich Cristina, eine Moskauerin, die per Anhalter zum RocTrip gereist ist. "Aber hier startest du in einer 5c von einem dieser schrecklichen Stände mit Bandschlingen an nur einem Fixpunkt, und dann hast du auf 45 Meter ganze fünf Haken und du weißt nicht, ob die Griffe halten... Ich dachte, ich sehe grüne Männchen!"

Ob Amateurkletterer oder Vollzeit-Vagagunden der Vertikale wie der unerschütterliche belgisch-irländische Sean Villanueva, für viele der anwesenden Kletterer ist es die erste Bekanntschaft mit den Meteora-Felsen. "Das Massiv ist wirklich spektakulär, es sind unglaublich pure Linien. Das Klettern ist schwierig, mit technischer und anspruchsvoller Fußarbeit. Es gibt einige infame Offwidth und dunkle Kamine. Wir amüsieren uns prächtig."

Herabstürzende UFOs und intergalaktische Konflikte

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/Lafouche

Zu den Besonderheiten beim Klettern in den Meteora-Felsen gehört auch, dass die Kletterer ihren Namen in das Gipfelbuch schreiben. Außerdem enthält das Buch wertvolle Hinweise, um die Abseillinie zu finden. Verboten ist das Klettern nur an den sechs von einem Kloster gekrönten Stalagmiten. Es bleiben immerhin noch fünfzig große frei zugängliche Monolithen.

"Einige Mitglieder des orthodoxen Klerus versuchen immer wieder, das Klettern in den Meteora-Bergen zu verbieten", kommentiert Aris, besorgt über die Zukunft. "Obwohl die Kletterer die Natur und das Klosterleben immer respektiert haben. Die herausragende Qualität des Petzl RocTrip 2014 ist beispielhaft für die Reife unserer Gemeinschaft."

Mélissa le Névé hält sich für einen Kometen

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/Lafouche

"Mélissa le Névé klettert Action Directe und bewertet sie mit 8b+", eine Meldung, die diejenigen überrascht, die diese klassische Route des Thessaly-Felsens nicht kennen. Die kurze Passage vom Dach (A0) hatte seit 20 Jahren den Angriffen der Kletterasse standgehalten. Hoch über dem Boden schwebend hat Mélisse sie zur großen Freude der Einheimischen bezwungen. Am übernächsten Tag (eigentlich ein "Ruhetag") fiel ein weiteres altes Projekt der Meteora-Felsen ihren Stahlfingern zum Opfer. Urteil? 8b+. Klasse!

Heilige Ninja Caprez, bete für uns!

War es Gott, der Teufel oder beide zusammen, die das möglich gemacht haben? Am dritten Stand von Corner of Madness, 6b, lässt ein Fotograf seine Kamera mitsamt Teleobjektiv fallen. Es sind mehrere Kilo, die von einem Felsblock im freien Fall auf Nina Caprez, die sich gerade fünf Meter über ihrem letzten Klemmkeil befindet, hinabsausen. Mit einer an ein Wunder grenzenden Reflexbewegung schafft sie es, ihr Gleichgewicht zu halten und die Kamera zu fassen. Unversehrt. "Guigui! Du kannst eine Kerze in allen Klostern anzünden", ruft sie ihm zu. "Und du schuldest mir ein Essen in einem wirklichen guten Restaurant!"

Petzl RocTrip 2014, Météores © PETZL/G. Vallot

Zum Abschluss dieser begnadeten Tage wurden den zahlreich anwesenden RocTripern teils heitere, teils ergreifende Darbietungen der Slowenen Luka Lindič und Klemen Bečan, des Belgiers Sean Villanueva, der Schweizerin Nina Caprez und des Franzosen Lionel Daudet geboten. Und das i-Tüpfelchen, die Vorpremiere des ersten vollkommen im vertikalen Format gedrehten Petzl Films. Während auf dem Weg nach Athen das ländliche Griechenland an uns vorbei zieht, sind die Köpfe über die mobilen Bildschirme gebeugt, auf nach Bafa Lake!

Guillaume Vallot

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