von David Parrot
Es erscheint mir wichtig, über das Ende dieser Expedition zu schreiben. Ich weiß nicht genau, was mich traurig macht: Ein Kapitel abzuschließen, dieses Land zu verlassen, ohne zu wissen, ob ich jemals zurückkehren werde, oder vielleicht die Vorstellung, dass dies Jean-Pauls letzte Expedition sein könnte. Mit seinen 75 Jahren besitzt er einen außergewöhnlichen Mut.
Die Geschichte beginnt in Frankreich, mit einem Finger auf der Landkarte. Mit seiner Lupe entdeckt Jean-Paul einen schwarzen Punkt auf einem Luftbild. Worauf er zeigt, ist nicht nur ein geologisches Detail. Es ist das Abenteuer, das wir erleben werden. Ohne ihn wüssten wir wohl kaum etwas über dieses Kalkmassiv mitten im Pazifik.
Drei Flüge später nehme ich erneut den Geruch und die feuchte Schwüle dieses Landes wahr, die mich seit meiner ersten Expedition im Jahr 2014 geprägt haben. Nach einigen Tagen, die wir mit Vorbereitungen in Kokopo verbringen, sollten wir mit dem Boot nach Palmalmal weiterreisen. Doch in diesem Jahr ist der Seegang zu hoch, keine Überfahrt wird genehmigt. Also warten wir noch einige Tage und nutzen die Gelegenheit, den aktiven Vulkan der Caldera zu besteigen und die Unterwasserwelt zu erkunden.
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Für den Transport der Ausrüstung ist der Einsatz zahlreicher Einheimischer erforderlich, bevor das Basislager mitten im Regenwald errichtet werden kann.
Sobald wir an Land gegangen sind, beginnt die lange Phase der Logistik: 80 Gepäckstücke müssen entladen, die notwendigen Genehmigungen eingeholt und der Materialtransport bis zum Dorf Rurai organisiert werden. Anschließend erfolgt der Marsch in den Regenwald, wo wir auf 1.200 Metern Höhe unser Basislager errichten.
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Das Basislager wird für mehrere Wochen zum Dreh- und Angelpunkt der Expedition.
Nun kann die Expedition beginnen. Aufgeteilt in mehrere Teams setzen wir die Erkundung des 2023 entdeckten Höhlensystems „Beam of Light“ fort und untersuchen gleichzeitig neue Täler auf der Suche nach vielversprechenden Schachthöhlen.
Doch die Gegebenheiten vor Ort stellten uns vor große Herausforderungen. Man muss sich durch dichten Regenwald kämpfen, die allgegenwärtige Luftfeuchtigkeit ertragen, Verletzungen versorgen, bevor sie sich entzünden, und die ständige Ungewissheit akzeptieren. Die Tage vergehen zwischen Erkundungen, Vermessungen und Enttäuschungen. Nach drei Wochen harter Arbeit, mehreren kartierten Kilometern Höhlengängen und zahlreichen Entdeckungen haben wir immer noch nicht das große Höhlensystem gefunden, von dem wir geträumt haben.
Dann, kurz vor Ende der Expedition, ändert sich alles.
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Jedes neu erkundete Tal kann eine vielversprechende Schachthöhle offenbaren – oder eine weitere Enttäuschung bereithalten.
In einem Tal südlich des Basislagers entdecken wir eine neue Schachthöhle. Zunächst bleibt Cédric vorsichtig und verrät bewusst nicht, was er am Grund eines ersten Schachtes gesehen hat. Am nächsten Tag kehren wir mit zusätzlichen Seilen ausgestattet zurück, um die Erkundung fortzusetzen. Schon bald reiht sich eine Passage an die nächste: Mäander, durch Erosion geformte und ausgetrocknete Strudeltöpfe, Schächte und Gänge in wunderschönem, weißen Kalkstein. Nach 800 Metern Erkundungsgang und 140 Metern Tiefe zwingt uns der Materialmangel zum Umkehren. Doch diesmal ist etwas anders.
Bei einem weiteren Abstieg offenbart die Schachthöhle nach und nach ihre wahre Größe. Die Landschaften werden immer spektakulärer: Schächte unterhalb von Wasserfällen, kristallklare Wasserbecken, riesige Hohlräume. Schließlich erreichen wir eine gewaltige unterirdische Galerie, in der der Fluss in der Dunkelheit verschwindet. Nur wenige Tage vor unserer Abreise haben wir endlich gefunden, wonach wir die ganze Zeit gesucht haben.

Bei unserer letzten Erkundung steigen wir in diesen gewaltigen Hohlraum hinab. Ein kristallklarer, blauer See nimmt die Mitte der Höhle ein, während mehrere Wasserfälle von der Decke herabstürzen. Der weitere Verlauf des Höhlensystems geht am Ende weiter und bringt uns zu einem wunderschönen unterirdischen Fluss. Wir gehen, getragen von der Begeisterung über die Entdeckung, noch weiter, bis ein sogenannter Siphon, das ist ein unter Wasser stehender Höhlenteil, unserem Vorstoß abrupt ein Ende bereitet. Sind wir enttäuscht? Vielleicht ein wenig. Aber darum geht es nicht.
Ohne einen Traum hätte diese Expedition niemals stattgefunden. Und wenn Jean-Paul mit 75 Jahren noch immer auf eine Karte und ein Luftbild schauend träumt, dann liegt es an uns, mit ihm zu träumen.
Bildunterschrift:
Mit 75 Jahren inspiriert Jean-Paul die Entdecker/-innen weiterhin durch seinen Blick, seine Neugier und seine Entdeckerlust.