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Skitourengehen neu erfinden

Ein allgemeines Umweltbewusstsein bestimmt heute das Handeln vieler Menschen mehr denn je. Verstärkt wird unser Nachdenken über unseren Umgang mit der Natur durch die aktuelle Gesundheitskrise. Wie können wir die Natur beim Ausüben unserer sportlichen Aktivitäten respektieren und schützen? Wie können wir unseren Sport neu erfinden? Wir haben den professionellen Extremskifahrer und Bergführer Vivian Bruchez getroffen, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Er hat uns erklärt, wie er seine Skihochtouren in Hinblick auf den Umweltschutz und auf die Pandemie heute anders plant und durchführt.

25 Februar 2021

Skitourengehen


 

Veränderung als positive Herausforderung

Vivian sieht diese Notwendigkeit einer Veränderung nicht als Einschränkung sondern als ein Zeichen der Zeit, das ihn motiviert, seine Touren als Extremskifahrer neu zu gestalten. Er hat uns erklärt, was er bei den verschiedenen Touren in seiner Umgebung heute anders macht. Im Hochgebirge über Chamonix fehlt es dafür nicht an Gelegenheiten!

„Die Grundlage meiner Planung ist der vernünftige Umgang mit der Natur”, sagt Vivian. Als Vater und als erfahrener Skifahrer haben ihn diese aktuellen Herausforderungen, die uns alle betreffen, zum Handeln motiviert. Er betont, dass die Coronakrise uns die Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt noch bewusster gemacht hat. „Unser Planet Erde ist mein Leben! Ich brauche die Natur zum Leben, das ist meine Leidenschaft.” Den Schutz unserer Natur beim Skitourgehen stets im Blick zu haben, das ist die Herausforderung. „Ich bin motivierter denn je, meine Touren im Hochgebirge anders zu gestalten. Ich träume zum Beispiel davon, mit einem Fahrrad ohne Elektroantrieb in alle Ecken der Alpen zu fahren!”

 



Zum Ausgangspunkt der Skitour mit dem E-Bike

Skitouren in der näheren Umgebung haben auch ihren Reiz. Trotzdem muss man irgendwie zum Ausgangspunkt kommen, auch wenn dieser nur wenige Kilometer entfernt ist. Vivian erzählt uns: „Es ging mir schon eine ganze Weile durch den Kopf, mir ein E-Bike anzuschaffen, um damit die verschiedenen Spots zu erreichen. Die Anfahrt mit dem E-Bike macht die Skihochtour trotz der Entfernung als Tagestour möglich. Schließlich hat mich der Lockdown mit den geschlossenen Skiliften dazu motiviert, meine Idee umzusetzen! Daraus wurde eine wahre Challenge, mit einem Start um 1:00 Uhr morgens. Wir sind nachts mit dem E-Bike losgefahren, um früh morgens am Fuße des Gipfels anzukommen.”

„Das macht mir sehr viel Spaß. Ich entdecke meinen Sport neu und außerdem mit dem Radfahren eine weitere Sportart. Das hat schon was, nach der Abfahrt des Tages dann noch die Kilometer bis ins Tal mit dem Rad zu fahren! Es ist eine ganz neue Variante, unseren Sport auszuüben. Und es ist ideal für das Frühjahr und den Herbst, wenn die Schneeverhältnisse stark variieren.”

 



Eine neue Sichtweise

„Das ist ein ganz neues Erlebnis.“ Der Extremskifahrer betreibt seinen Sport nun auf eine neue Weise: sehr früh morgens im Dunkeln aufbrechen, eine ganz besondere Atmosphäre entdecken, dabei die Berge hautnah erleben und sich Zeit lassen. „Die Tour im Tal zu beginnen, ohne den Skilift zu benutzen, das ist ein ganz neues Gefühl. So kann man vom Tal bis zum Gipfel jede einzelne Etappe des Aufstiegs genießen!“

Vivian betont, dass man seinen Sport so mit neuen Augen sehen kann: „Ich habe schon immer viel Zeit in den Bergen verbracht und in letzter Zeit ist es noch mehr geworden. Je mehr Zeit ich dort verbringe, desto mehr Neues entdecke ich. Beobachten und Neugierde erweitern unseren Blick auf das Ganze.” Ein Wanderer, der regelmäßig in seiner näheren Umgebung wandert, kann so weitere Arten der Bewegung entdecken, indem er seinen Aufstieg direkt im Tal startet. Anstatt die Seilbahn zu nehmen, kann er verschiedene Wege benutzen. Vivians Idee dabei ist es, seinen Aufstieg stets neu zu gestalten.

 

Sich Zeit für sich selbst nehmen

Wenn man seine Gewohnheiten ändern will, muss man sich die Zeit dafür nehmen. „Das ist das Gegenteil von dem Leben, das wir heutzutage führen. Wir haben immer weniger Zeit. Es ist nicht leicht, etwas zu ändern. Jeder muss da seinen eigenen Weg gehen”, erklärt Vivian. Er gibt zu, dass es nicht einfach war, seine Art des Aufstiegs zu verändern: „Ja, es ist komplizierter und es ist anstrengender, denn es sind natürlich mehr Höhenmeter zurückzulegen. Man muss akzeptieren, dass man nicht so weit nach oben kommt. Aber es ist ein wahres Abenteuer. Du füllst nicht irgendeine Leere, sondern du machst das Ganze für dich.“

Für Vivian sind Skitouren in den Alpen das ganze Jahr über möglich! „Wenn man wirklich motiviert ist, kann man in den Alpen alles machen!“ Diese gleichbleibende Motivation für schwierige Touren führt jedoch dazu, dass nicht alle potenziellen Partner in Frage kommen. „Ich bereite mich nicht anders vor, aber die körperliche Herausforderung ist natürlich erheblich größer, weil man seine komplette Ausrüstung trägt. Der Rucksack ist schwerer und die Tage sind länger: Sie beginnen z.B. um 6:00 Uhr und enden um 22:00 Uhr. Man muss schon robust sein, denn diese Touren sind eine wahre Herausforderung!”

Für alle, die noch nicht für solche „Missionen” bereit sind, hat Vivian einen Tipp: „Die Grundvoraussetzung ist, den direkten Aufstieg vom Tal zu mögen. Seit die Skilifte wegen der Pandemie geschlossen bleiben, entdecken immer mehr Menschen das Skitourengehen neu oder erneut! Um nicht unter diesen Veränderungen zu leiden, muss man lernen, das Beste daraus zu machen. Lernen, diese andere Herangehensweise zu lieben. Einmal mussten wir zum Beispiel mehr als 4 km Skilanglauf machen, um den Startpunkt für die Skihochtour zu erreichen. Skilanglauf ist eigentlich nicht wirklich unser Ding, aber es hat uns dann doch gefallen. Wir haben diese Etappe der Tour nachts gemacht und es war wirklich schön! Unabhängig vom Niveau, das man hat, lernt man es, an Phasen, die einem normalerweise weniger zusagen, Gefallen zu finden.”

 

Eine typische Skihochtour mit Start vor Vivians Haustür:

• Beginn um 1:00 Uhr morgens in Vallorcine
• 2-stündige E-Bike Fahrt mit gesamter Skitourenausrüstung zur Bergstation des Skilifts von Tour
• 1-stündige Wanderung bis zur Albert 1er Hütte
• 2,5-stündige Skitour bis zu den Aiguilles Dorées (Aiguille de la Varappe)
• 1 Stunde Bergsteigen • Ankunft am Gipfel
• 30-minütige Fahrt durchs Couloir
• Wieder Auffellen
• 1-stündiger Aufstieg zum oberen Pass von Tour und zurück zur Albert 1er Hütte
• 1 Stunde Wandern bis zu den E-Bikes
• 30 Minuten Radfahren ins Tal und einen langen Mittagsschlaf

Insgesamt: Neuneinhalb bis 10 Stunden Bewegung in der Natur!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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