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Mathieu Maynadier und Max Bonniot überschreiten Meije, Bonne Pierre, Ailefroide

Mathieu Maynadier und Max Bonniot haben vom 15. bis zum 22. August eine besondere Überschreitung in ihren Heimatbergen, dem Écrins-Massiv, realisiert. Eine schwierige Expedition sowohl von den Kletterschwierigkeiten, als auch in Bezug auf die unbeständigen Wetterbedingungen und ein straffes Programm fast ohne Ruhetage. Mathieu Maynadier berichtet.

3 September 2014

Bergsteigen

© Maynadier / Bonniot

Schon seit langem hatte ich den Drang diese Überschreitung im Écrins-Massiv durchzuführen. Einerseits um schlicht einige Zeit in den Bergen zu verbringen, andererseits aber auch um eine Expedition in meinen Hausbergen zu machen.

Erste Etappe: Partnerwahl

Dieser Sommer mit dem schlechten Wetter hat es einem nicht leicht gemacht, in die Berge zu gehen. Die Vorbereitung dieses Abenteuers hat mich somit einiges an Nerven gekostet: Nicht nur auf ein gutes Wetterfenster zu warten, auch einen Partner zu finden, der zum einen motiviert ist und zum anderen Mitte August Zeit hat, war nicht so leicht. Die meisten potentiellen Seilpartner arbeiten als Bergführer, bei ihnen ist im August Hochsaison. Glücklicherweise hat Max Zeit, ist hochmotiviert und in Topform. Auf die Anderen würden wir einfach warten, je nach Motivation und Verfügbarkeit.

Warten auf gutes Wetter

Man kann sagen, dass dieser Sommer nicht der geeigneteste war, um in die Berge zu gehen. Ein Unwetter nach dem anderen, während die Zeit immer mehr verstreicht und meine Motivation immer geringer wird. Zum Glück öffnet sich Mitte August ein Fenster mit gutem Wetter. Dies war die letzte Chance für mich. Ich schob meine gesamte Arbeit als Bergführer nach hinten, aber wusste genau, dass ich sie eines Tages machen musste.

Endlich sind wir unterwegs

Endlich ist das lang ersehnte gute Wetter da. Wir können nicht sagen, ob es die gesamte Dauer des Vorhabens durchhält, aber es ist einen Versuch wert. Am 14. August verlassen wir La Bérarde. Es ist strahlend schön und kalt, das geht schon mal gut los! An der Promontoire Hütte angekommen fühlen wir uns verflucht. Der Hüttenwirt hat gerade mit dem Meteorologen telefoniert. Morgen können wir uns darauf einstellen, dass die Nullgradgrenze bei 2800 m liegt, dazu Wind mit 50 Stundenkilometern und gefühlte -20 Grad auf 4.000 Metern Höhe!

Zumindest kein Steinschlag

4.00 in der Früh, der Himmel ist klar und es ist nicht zu kalt. Wir sind auf dem Weg eine Mixed Route zur klettern, die typisch für das Écrin Massiv ist. Mittelmäßiger Fels und wenig Sicherungsmöglichkeiten führen dazu, dass das Klettern an sich nicht an oberster Stelle steht.

L'attaque de la face nord de la Meige © Maynadier / Bonniot
Die Nordwand der Meije im Überblick

Nach einigen Seillängen in der so genannten „Z-Route“ biegen wir ab in sieben anhaltende Mixed-Seillängen, mit einer ausgesetzten, komplett ausgeaperten Rampe als aufregende Schlüsselstelle.

Max se lance dans la longueur délicate © Maynadier / Bonniot
Max in einer schwierigen Seillänge

Dans les dernières longueurs © Maynadier / Bonniot
In den letzten Längen

 

© Maynadier / Bonniot

Nachdem wir die Route am späten Nachmittag bei schlechtem Wetter (was für eine Überraschung!) beendet haben, überschreiten wir den Grat des Meije, um uns auf der Aigle Hütte zu erholen. Nach einer ziemlich unruhigen Nacht im Massenlager der neuen Aigle Hütte ist es Zeit, sich auf neue Abenteuer zu begeben, dieses mal im Bonne Pierre-Massiv. Die Bedingungen sind gut. Wir haben schönes Wetter, aber ein langer Tag liegt vor uns. Wir müssen die Meije-Scharte queren, in das Étancon Tal hinabsteigen und dann in das Bonne-Pierre Tal aufsteigen.

Es ist gegen 18.00 Uhr als wir uns mit Sylvain Digiacomo treffen, der sich uns anschließt um eine Route zu klettern, die Arnaud Guillaume als „fantastisch, mit großartigem Fels“ beschreibt.

Der erwartete gute Fels ist jedoch eher brüchiger Gneis, der weder gut abzusichern noch toll zu klettern ist.

Dernière longueur correcte avant un bastion raide et délité © Maynadier / Bonniot
Letzte Seillänge vor einer steilen Felsbastion

Bivouac à Bonne Pierre © Maynadier / Bonniot
Biwak bei Bonne Pierre

 

Nachdem wir den Gipfel um Mitternacht erreicht haben, ziehen wir uns auf die Écrins Hütte für eine kurze Nacht zurück. Ein 24 Stunden Tag ohne Pause für den Teil, den wir für den leichtesten gehalten haben.

Zurück in La Bérarde für Wetterinformationen und um zu entscheiden, was als nächstes ansteht. Es liegt viel Schnee, zu viel um auf den Gipfel des Pic Sans Nom zu gehen. Wir entscheiden uns stattdessen die Nordwand der Ailefroide zu klettern.

Morgen soll das Wetter ziemlich schlecht werden. Aber dieses Mal will uns das Wetter helfen, in Form von einem Tag zur Erholung. Ich telefoniere mit Pierre Labbre, er ist motiviert und hat Zeit. Der Plan ist eine Wiederholung der Route Réactor zu versuchen, DER neuen Route, die dieses Frühjar eröffnet wurde. Das schlechte Wetter, das uns gestern einen Ruhetag verschafft hat, verfolgt uns nun, als wir im Regen zur Temple Ecrins Hütte laufen. Wir kommen total durchnässt an und machen uns etwas Sorgen im Hinblick auf die Bedingungen in der von uns gewählten Route. Wir brechen um 2.00 Uhr in der Früh auf. Es regnet zwar nicht mehr, aber wir steigen im Nebel, den der gestrige Sturm gebracht hat, auf. An der Wand angekommen erwarten uns winterähnliche Bedingungen mit großen Spindrifts und eisbedecktem Fels am Anfang der Route.  Kein Zweifel, dieser Sommer ist wirklich bizarr!

Sylvain dans un 6b des familles © Maynadier / Bonniot
Sylvain in einer 6b

Remontée de la première plaque © Maynadier / Bonniot
Aufstieg in der letzten Platte

 

Wir sind am Fuße des Felsriegels angekommen. Die direkte Linie ist kletterbar und wir starten in die erste von vier Mixed Seillängen in der Max alles gibt. Was für ein Kerl!

Als wir an der Kreuzung der Routen Réactor und Plaques ankommen ist es 14.00 Uhr. .....Immer noch einige anspruchsvolle Längen und wir haben keine Biwakausrüstung dabei.

Max erklärt, „wir kommen wieder, wenn wir stärker sind!“ Die Intégrale bleibt auf der To-Do-Liste, eine tolle Herausforderung für die Zukunft. Daraufhin zweigen wir in den „Voie des Plaque“ ab und klettern 3 weitere Seillängen, von denen eine aus nicht sehr vertrauenswürdigem Eis besteht... Wir steigen die letzten Meter bei Sonnenschein nach oben und es fühlt sich gut an. Wir kommen um 19.00 Uhr bei gutem Wetter am Gipfel an und haben immer noch Tageslicht für den Abstieg. Wir sind einfach nur glücklich!
© Maynadier / Bonniot

Nach einem guten Essen und ein paar Schnäpsen, wie sie auf der Sélé Hütte üblich sind, fallen wir in unsere Betten. Morgen ist zum Glück Ruhetag.

Unser eigentlicher Plan war es, mit dem Sialouze zu enden, einem schönen Fels in der Sonne und den schattigen Nordwänden ein Schnippchen zu schlagen...Nach einigen Partien Pétanque bei denen uns Raoul (der Hüttenwirt) und Yann (der Koch) vernichtend geschlagen haben, treffen wir uns mit Tony Lamiche. Morgen ist die letzte Etappe des Trips. Bedauerlicherweise verlässt uns das gute Wetter der letzten Woche und wir wachen bei Nieselregen auf. Hunchi Maka muss also auf einen anderen Tag warten. Unsere Mission ist aber trotzdem vollendet und wir können zufrieden nach Hause zurückkehren.

Ein großes Dankeschön an Max für seine unerschütterliche Motivation, seinen tollen Humor und seine Leidenschaft.

Ein großer Dank gilt auch allen Hüttenwirten, die uns wie Könige beherbergt haben.

Desweitern gilt mein Dank Petzl, The North Face, Julbo und Scarpa deren Vertrauen mir erlaubt hat, mich auf dieses Abteuer zu begeben.

Mathieu Maynadier --

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