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Was bedeutet Fast & Light Alpinismus?

Was steht hinter dem Fast & Light Gedanken? Gehören Bergsport und Fast & Light Modus zwangsläufig zusammen? Lauter Fragen, die zum Nachdenken über die Entwicklung des alpinen Bergsports und über die Weiterentwicklung der Bergausrüstung anregen. Zur Arc’Teryx Alpine Academy 2016 stellen Pierre Plaze, Produktmanager bei Petzl für den Sportbereich, und Colin Haley, Profibergsteiger, die Fast & Light Philosophie vor und gehen auf die wesentlichen Fragen ein, die man sich stellen sollte, bevor man sich dem Konzept verschreibt.

12 Oktober 2016

Bergsteigen

Colin Haley

Die Fast & Light Philosophie präsentiert von Colin Haley

"Je schneller du bist, desto weniger bist du den Risiken in den Bergen ausgesetzt, auf der anderen Seite heißt dies aber auch weniger Redundanz.

Fast & light zu klettern anstatt mit einem schweren Rucksack kann ein tolles Erlebnis sein. Und das nicht nur wegen des offensichtlichen Vorteils schneller zu sein, schlechtes Wetter zu vermeiden und gefährliche Abschnitte zügig hinter sich zu lassen, sondern auch, weil es eine pure Freude ist, sich in den Bergen frei bewegen zu können und mit weniger Kraftaufwand besser vorwärts zu kommen.

Schnell zu sein setzt zunächst einmal eine gute Kondition voraus, aber auch eine gute Kenntnis des Terrains und einen leichten Rucksack. Ein guter Kletterer, der das Gewicht seiner Ausrüstung reduziert, kann dadurch sein Tempo erhöhen. Jeder sollte sich jedoch bewusst machen, was eine Reduzierung des Rucksackgewichts mit sich bringt. Manche Gewichtsersparnisse wirken sich nicht nachteilig aus, während andere wiederum auf Kosten der Sicherheit gehen.

Wer beispielsweise Eisschrauben aus Stahl durch Eisschrauben aus Aluminium ersetzt, kann das Gewicht ohne Auswirkungen auf die Sicherheit und praktisch ohne Unterschied bei der technischen Performance bedeutend reduzieren. Wenn ihr euch allerdings dafür entscheidet, die Biwak-Ausrüstung aus dem Rucksack zu nehmen, um die Tour an einem einzigen Tag anstatt an zwei Tagen zu gehen, so kann dies bei guten Bedingungen zwar funktionieren, aber in puncto Sicherheit geht ihr ein Risiko ein. Wenn ihr aufgrund unvorhersehbarer Faktoren (z.B. langsameres Vorwärtskommen als geplant) die Nacht im Freien verbringen müsst, anstatt an einem geeigneten Platz ein Biwak aufzuschlagen, steht ihr vor dem schwierigen Problem,  euch vor Unterkühlung schützen zu müssen.  

Für die meisten Personen bedeutet die Reduzierung des zu transportierenden Gewichts beim Bergsteigen einen großen Vorteil. Beim Fast & Light Klettern müsst ihr immer daran denken, dass die Wahl eurer Ausrüstung in erster Linie von euren Fähigkeiten und eurem Können, also von eurer Erfahrung in diesem Sport, abhängig ist. Es ist auf jeden Fall vorzuziehen, in einem traditionellen Stil zu beginnen und im Laufe der Zeit  zu lernen, das Gewicht des Rucksacks allmählich zu reduzieren, ohne dabei die Sicherheit außer Acht zu lassen."

Colin Haley

Die Weiterentwicklung der Bergausrüstung: Gewichtsersparnis, Verbesserung von Technik und Komfort

Lafouche

Die Bergsteigerausrüstung hat sich, was Gewicht, Technik und Komfort angeht, enorm weiterentwickelt. Vergleicht man beispielsweise das Gewicht von zwei Karabinern, sticht der Unterschied nicht unbedingt ins Auge, aber wenn ihr die kleinen Gewichtseinsparungen bei den einzelnen Ausrüstungsgegenständen multipliziert, kommen schnell einige Kilo auf die Waage, um die euer Rucksack leichter wird. 

Ein weiteres Beispiel für Gewichtseinsparungen, die sich während der Aktivität bemerkbar machen: Technische Weiterentwicklungen in der Seilherstellung ermöglichen Veredelungsprozesse, durch welche die Seile leistungsfähiger, weniger wasserabsorbierend und damit letztendlich leichter werden.

Hier ist ein Vergleich der Ausrüstung von gestern und heute, um die Veränderung des Gewichts im Laufe der Zeit zu veranschaulichen. 

Technische Ausrüstung zum Bergsteigen: -5 kg 

Lafouche

Technische Ausrüstung zum Skitourengehen: -2 kg 

Lafouche

Fragen, die eure Wahl in Bezug auf das Fast & Light Konzept bestimmen

Wie Colin Haley erwähnte, ist die Wahl der Ausrüstung in erster Linie von euren körperlichen und technischen Fähigkeiten sowie von eurer Erfahrung in eurem Sport abhängig. Die Entscheidung für die Fast & Light Umsetzung muss mit Bedacht getroffen werden. Sie ermöglicht es, schwierigere Projekte ins Auge zu fassen, den Umgang mit objektiven Risiken (Lawinen, Steinschlag usw.) zu optimieren, aber sie begrenzt auch die Redundanz. 

Folgende Fragen können euch bei der Entscheidung helfen, auf eine Fast & Light Ausrüstung umzustellen oder nicht.

  • Ist das Wetter gut und beständig? 
  • Ist die Route in gutem Zustand?
  • Ist die Seilschaft in guter körperlicher Verfassung und akklimatisiert?
  • Habt ihr genügend Kraftreserven?

Jetzt liegt die Entscheidung bei euch!

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