Untersuchung der Stabilität von Eisfällen - Petzl Other
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Untersuchung der Stabilität von Eisfällen

Wie reagiert das Eis auf meteorologische Einflüsse? Man sollte meinen, dass sehr niedrige Temperaturen sich positiv auf die Eisfälle auswirken. Aber ist das so einfach? Wie können die Beobachtungen der Kletterer mit einer wissenschaftlichen Studie in Zusammenhang gebracht werden? Eine vom Laboratoire de Glaciologie et Géophysique de l’Environnement [Forschungsinstitut für Gletscherkunde und Geophysik] in Grenoble mit Unterstützung der Petzl-Stiftung durchgeführte Studie liefert einige Antworten zu diesem Thema.

Warnhinweis

  • Lesen Sie aufmerksam die Gebrauchsanleitung vor dem Betrachten der folgenden Techniken.
  • Sie müssen die Gebrauchsanweisung verstanden haben, um diese zusätzlichen Informationen zu verstehen.
  • Das Beherrschen dieser Techniken erfordert eine Ausbildung und spezifisches Training
  • Üben Sie die Bedienung zunächst mit einer fachkundigen Person und in völliger Sicherheit, bevor Sie das Gerät selbstständig einsetzen.

Obwohl der Aufbau der Eisfälle über einen langen Zeitraum erfolgt, können insbesondere vertikale Strukturen plötzlich und unerwartet einstürzen.

Temperaturunterschiede führen zu hohen mechanischen Belastungen im Eis, die unter gewissen Umständen ausreichen, um einen abrupten Zusammenbruch des Eisfalls zu bewirken.

Das Eis dehnt sich bei Erwärmung aus und zieht sich bei Abkühlung zusammen. Wenn diese Abkühlung langsam erfolgt, kann das Eis sich auf die Belastungen einstellen und sich plastisch verformen: Man spricht hier von duktilem Verhalten. Erfolgt die Abkühlung dagegen sehr schnell, können diese Belastungen Risse verursachen oder bewirken, dass sich durch das Einschlagen von Eisgeräten entstandene Risse ausdehnen.

Das Eis weist ein sprödes Verhalten auf.

In Eisfällen installierte Druckmessgeräte haben es ermöglicht, einen Bezug zwischen einer plötzlichen Temperaturschwankung und einem hohen Anstieg der mechanischen Belastungen herzustellen.

Unter Berücksichtigung dieses Phänomens kann der Eiskletterer aus den an den Vortagen der Eisfallbegehung gemessenen Temperaturen Rückschlüsse auf die Qualität des Eises ziehen.

Periode mit beständigen Temperaturen um 0 °C (wenig Erwärmung tagsüber, kein Temperatursturz während der Nacht).

Das Eis hat ein duktiles Verhalten. Die Situation sieht günstig aus. Man spricht hier von "Softeis".

Periode mit beständigen Temperaturen um 0 °C

Längere Periode mit milden Temperaturen über 0 °C einschließlich in der Nacht.

Im Zwischenraum zwischen Eis und Fels rieselndes Wasser führt dazu, dass sich das Eis vom Felssockel löst. Die Situation sieht ungünstig aus.

Längere Periode mit milden Temperaturen über 0 °C einschließlich in der Nacht.

Plötzlicher Temperatursturz gefolgt von einer Periode großer Kälte.

Dies führt zu starken thermischen Belastungen des Eises: Das Eis wird spröde. Das Platzieren der Eisgeräte trägt dazu bei, dass sich die Risse ausdehnen. Es besteht die Möglichkeit, dass der Kletterer den Einsturz selbst verursacht. Eine sich zusammenziehende freistehende Eissäule neigt dazu, sich zu verkleinern, was zu starken vertikalen mechanischen Belastungen in der Eisstruktur führt. Das Risiko eines Einsturzes der Eissäule ist groß.

Plötzlicher Temperatursturz gefolgt von einer Periode großer Kälte.

Über mehrere Tage allmählich sinkende Temperaturen gefolgt von einer starken Kälteperiode.

Diese Bedingungen erscheinen weniger kritisch, unter den Schlägen der Eisgeräte bleibt das Eis jedoch spröde und brüchig.

Über mehrere Tage allmählich sinkende Temperaturen gefolgt von einer starken Kälteperiode.

Kontakt PETZL-Stiftung

Dies ist jedoch nur ein Teil der zu berücksichtigenden Faktoren und ersetzt in keinem Fall die durch die Aktivität gewonnene Erfahrung.

Der Inhalt wurde in Zusammenarbeit mit François Damilano, Mitglied des Forschungsprojekts "Eiskristall" ausgearbeitet.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website der Stiftung unter www.fondation-Petzl.org „Cascade de glace, itinéraire scientifique au cœur des cascades de glace" [Eiskristall, wissenschaftliche Forschung im Kern von Eisfällen].