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Grimpday 2016: Rückblick auf den Sieg des spanischen Teams

Der Grimpday ist ein internationaler Leistungsvergleich, an dem verschiedene Rettungsorganisationen (Feuerwehr, Zivilschutz, Militär, Polizei) aus aller Welt teilnehmen. Im belgischen Namur messen sich die Mannschaften in einem Wettkampf, dessen Aufgaben sich auf die Besonderheiten der Rettung aus Höhen und Tiefen konzentrieren. Im Juni 2016 feierte der Grimpday, einer der größten und bekanntesten Wettkämpfe für Höhenrettungsteams, sein zehnjähriges Bestehen. Das spanische Team von Espeleosocorro Andaluz berichtet von seinen Erfahrungen als Einsteiger und Gewinner des Grimpday.

22 September 2016

Technische Rettung

Florent Marot

Kurzes Vorwort zum Paradies für Speläologen: Spanien

Spanien ist ein echtes Paradies für Höhlenforschung und Canyoning mit zahlreichen Höhlen und Schluchten von über 1000 m Tiefe und 100 km Länge. Heute gibt es in Spanien ca. 10.000 Anhänger dieser beiden Sportarten. 
Bei der Speläologie dringen sie in unberührte, den Menschen oftmals unbekannte Gefilde vor, wo wissenschaftliche Forschung und sportliche Technik aufeinander treffen und kooperieren. Um Fortschritte in dieser Aktivität zu machen, benötigt man eine technische Ausbildung und eine gute körperliche Verfassung. Trotzdem kann es jederzeit zu einem Unfall kommen, was in den meisten Fällen aufwändige Rettungsmaßnahmen erfordert. 
Wo Höhlenforschung betrieben wird, werden Höhlenrettungsteams benötigt. In Spanien beteiligen sich insgesamt 11 Gruppen an der Höhlenrettung.  Sie bestehen aus Spezialisten der Höhlenrettung und freiwilligen Helfern, die eines gemeinsam haben: ihre Leidenschaft für die Speläologie. 
2011 führte Espeleosocorro Andaluz eine Rettungsaktion in der tiefsten Höhle der Geschichte Spaniens durch: in 500 Meter Tiefe. Insgesamt 150 Personen von Espeleosocorro, GREIM, Feuerwehr, UME… waren an der Aktion beteiligt.

Renaud Richard

Espeleosocorro Andaluz: eine Leidenschaft oder ein Beruf? 

Zu unserem Rettungsteam Espeleosocorro Andaluz gehören gegenwärtig 49 Speläologen. Keiner von uns ist beruflich im Rettungswesen tätig, wir alle sind freiwillige Helfer. Wir engagieren uns für die Rettung, weil uns das Umfeld der Höhlenforschung und die Schwierigkeiten, die bei einer Rettung in der Tiefe auftreten können, bestens bekannt sind. Wir fühlen uns moralisch verpflichtet, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um einen in Not geratenen Kameraden zu helfen.

Mendoza

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, an einer internationalen Veranstaltung wie dem Grimpday teilzunehmen?

Alles begann ein paar Monate vorher mit dem Challenge II der Rescue Day Trophy in Sevilla, Spanien. Der Wettkampf hat Ähnlichkeit mit dem Grimpday und steht allen Rettungsteams der Iberischen Halbinsel offen. Da die Veranstaltung ganz in unserer Nähe stattfand, beschlossen wir daran teilzunehmen. Für uns war es wichtig, dass das Team von Espeleosocorro Andaluz dort vertreten war. Wir bereiteten uns also auf den Wettkampf vor und erzielten spektakuläre Ergebnisse:  Wir gingen als Sieger aus dem Wettkampf hervor. Dieser Sieg hatte uns Hoffnung gemacht und uns dazu motiviert am Grimpday, dem für uns  wichtigsten Wettkampf der Welt, mitzumachen. Aber die Realität sieht oft anders aus als unsere Träume. Die Arbeit, die Familie, die Zeit, die Kosten des Wettkampfs... Das Abenteuer schien in ziemlich weiter Ferne zu liegen. Aber der Wunsch der 7 Träumer war stärker...

Mendoza

Ihr seid auf die Höhlenrettung spezialisiert, aber der Grimpday verlangt von den Teilnehmern, dass sie auch in anderen Bereichen, wie z.B. in der Stadt oder in der Industrie, Rettungseinsätze effizient durchführen können. Wie habt ihr euch auf die unterschiedlichen Rettungstechniken vorbereitet?

Das war wahrscheinlich die größte Herausforderung. Obwohl die Techniken für die Rettung aus Höhen und Tiefen eigentlich in allen Einsatzgebieten (Stadt, Höhle und Industrie) gleich sind, weisen sie heute aufgrund der für sie geltenden Normen und Vorschriften signifikante Abweichungen auf. So waren wir gezwungen, unsere PSA* auszuwechseln, unsere Rettungsausrüstung aufzustocken und unsere Installationen und unsere Vorgehensweisen anzupassen.

*Persönliche Schutzausrüstung

Mendoza

Was hat der Grimpday euch gebracht?

Der Grimpday ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Jeder, der sich mit der Rettung befasst, sollte irgendwann als Teilnehmer, Organisator oder Besucher beim Grimpday mitmachen. Bei jedem Schritt spüren wir die spezielle Rettungsatmosphäre. Wir lernen Menschen aus anderen Ländern kennen, die ähnliche Interessen haben wie wir. Wir lernen von ihnen. Wir entdecken Handgriffe und Techniken, die sich von unseren unterscheiden. 

Der Grimpday hat auch dazu beigetragen, uns zu einem solidarischen und effizienten Team zusammenzuschweißen. 
Wir hatten uns gut vorbereitet und waren sehr glücklich über das Ergebnis unserer Arbeit. Dieser Wettkampf hat uns nicht nur zu einem Team zusammengeschweißt, er hat auch dazu beigetragen, dass wir die durchzuführenden Vorgänge perfekt meistern, unser Vorgehen optimieren können und automatisch wissen, wer was zu tun hat. Es muss gewährleistet sein, dass der Rettungsmechanismus schnell und harmonisch funktioniert. Diese Art Event ist der perfekte Vorwand, um hart zu trainieren und sich zu perfektionieren. 

Die Veranstaltung hat ihren Platz als internationaler Leistungsvergleich der Rettungsorganisationen wirklich verdient!

Vincent Exteens

Und wie sieht die Zukunft für das Team nach dieser ersten Erfahrung aus?

Was den Wettkampf angeht, sind wir uns nicht ganz sicher. Der Wunsch, diese Erfahrung noch einmal zu erleben, ist noch stärker als vor unserer Teilnahme am Grimpday. Die Motivation uns weiterhin zu verbessern ist ungebrochen. Wir werden also versuchen, im nächsten Jahr die nötigen Ressourcen aufzubringen, um die Erfahrung zu wiederholen! Für den Augenblick bereiten wir uns weiterhin mit dem gesamten Team von Espeleosocorro Andaluz vor! 

Perez

GrimpDay 2016 Namur ( Bélgica ). Espeleosocorro Andaluz Primer clasificado from Diego Mendoza on Vimeo.

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