Geduld und Konzentration
"Die Natur ist schön und voller Überraschungen. Der Rhythmus und die Aufmerksamkeit, die notwendig sind, damit wir uns in der Natur wohl fühlen, werfen nicht nur Fragen technischer Art in mir auf. Wenn ich bei einer Skitour auf Gämsen, Steinböcke, Raubvögel, Murmeltiere oder gar Wölfe treffe, stellt sich mir die Frage meiner Legitimität an diesen Orten, so dass ich der Natur differenziert, bescheiden und respektvoll gegenüber trete. Beim Klettern genügt eine logische, natürliche, gewagte oder unwahrscheinliche Linie, um mich zu inspirieren und zu motivieren. Dann benötige ich Geduld, Konzentration sowie Klarsicht und Mut."
"Die Tarn-Schlucht in Frankreich hat mich alles gelehrt und mir die Motivation für das Ausdauerklettern gegeben. Jetzt gehört meine Aufmerksamkeit der Verdon-Schlucht. Diese Schlucht am linken Verdon-Ufer bietet eine enorme Vielseitigkeit. Die Zeit hat hier absurde geologische Formen geschaffen und die jeweiligen Routeneröffner sind klarsichtig genug, um nur die eindeutigsten Routen entsprechend einer logischen, natürlichen Linie zu erschließen. Außerhalb Frankreichs ist Kalymnos ein echtes Schmuckstück und auch Spanien hat angenehme Klettermomente zu bieten. Aber es gibt noch so viele andere bemerkenswerte Orte, dass ein Leben nicht ausreichen würde, um alle zu genießen. Ich bedaure jedes Mal, dass ich sie nicht stärker auf mich wirken lassen kann."
Ein Doppelleben
"Manchmal träume ich davon, mehr Zeit zum Klettern zu haben. Ich muss meine Zeit optimal einteilen. Ich muss mich organisieren, um meinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Meine Kletterphasen auf optimalem Leistungsniveau sind in Bezug auf die Zahl der Routen, Häufigkeit und Vielseitigkeit. sehr intensiv. Das Erreichen symbolischer Ziele grenzt zuweilen an Arbeit. Ich liebe mein Doppelleben als Studentin und Kletterin, aber manchmal bedaure ich, dass ich nur für kurze Zeiträume über eine maximale Performance verfüge. Ich würde gerne einen Schritt weiter gehen und meine Aktivität durchgehend ausüben. Die Bereicherung, die mein Studium meinem Leben gibt, ist für mich notwendig. Also gehe ich "on sight" vorwärts und vielleicht fügen sich meine Wünsche eines Tages anders zusammen."
Biwaks
"Biwaks sind ganz besondere Momente. Momente, in denen das Imaginäre entsteht und auf mich wirkt. Als kleines Mädchen habe ich im Alter von sechs Jahren die Nacht damit verbracht, dem Wind zu lauschen, der an unserem Iglu-Zelt rüttelte und habe auf das geringste Geräusch von herabstürzenden Steinen gelauert. Zwei weitere Biwaks in der Felswand haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. In der Nacht meines zwölften Geburtstags habe ich in einem Biwak in “Happy-birthday” auf dem Croix des têtes im Maurienne-Tal die Große Bärin verfolgt. Ich habe mich darauf eingestellt, häufig aufzuwachen, um ihre Bewegungen im Auge zu behalten. Ein anderer Biwak in Sardinien während der Arbeitsphase in der “Hotel-Supramonte” war eine Aufforderung zum Nichtstun in diesem in luftiger Höhe gelegenen Hotel mit der unübersehbaren Nische in der neunten Seillänge."