In Verbundenheit mit der Natur, in der ich aufgewachsen bin
«Wir haben in Frankreich viele bedeutende Klettergebiete, angefangen von Bouldergebieten über klassische Routen im Gebirge bis hin zu fantastischen abgespeckten Felsen. Mit Fontainebleau, dem Verdon, den Tarn-Schluchten und anderen Gebieten mit ausgezeichnetem Fels und wunderbaren Routen sowie den alpinen Routen von Chamonix, les Ecrins im Oisans usw. sind die Möglichkeiten schwer zu überbieten. Ich persönlich habe eine engere Beziehung zu den Bergen, wo ich lebe und geboren bin, als zu einem Klettergebiet. Meine Vorfahren stammen aus demselben Tal, mit dem ich tief verwurzelt bin. Ich spüre eine gewisse Verbundenheit mit der Natur, in der ich aufgewachsen bin. Ich habe das Gefühl, Teil ihrer Bäume zu sein, die Steine in den Wildbächen zu kennen und spüre das Wohlwollen der Berge, die mich umgeben. Ich habe das Gefühl, eins zu sein mit der Natur und kein hinzugefügter Fremdkörper. Das Gleiche gilt für die Menschen. Ich kenne viele Einwohner von Bourg-Saint-Maurice von den Großeltern bis zu den Enkelkindern. Deshalb stehe ich den Veränderungen, die dem Tal zugefügt werden, auch nicht gleichgültig gegenüber: die Probleme in Bezug auf die Stadtentwicklung, die Einrichtung neuer Skilifte und Pisten, welche die Berghänge zerstören, Kunstschnee und Menschenmassen im Winter.»
Weitergabe von Erfahrungen
«Ich interessiere mich von Natur aus für den Menschen. Ich möchte gerne verstehen, wie wir funktionieren. Ich lerne gerne von anderen und von mir selbst und ich lerne einfach gerne zu lernen. Ich lasse mich gerne überraschen und durch Interaktionen, Gespräche und deren Wirkungen mitreißen. Manchmal wird mir durch eine einfache Begegnung etwas Elementares in meinem Leben bewusst. Ohne diese Begegnung hätte ich Jahre dafür gebraucht. Anfangs waren meine Fragen vorwiegend auf die Performance gerichtet. Wie kann es sein, dass dieser eine Kletterer gewinnt und jener andere niemals das Ziel erreicht, obwohl sie beide das gleiche körperliche, technische und taktische Niveau haben? Mit der Zeit hat sich mein Interesse gewandelt und betrifft den Menschen insgesamt. Es ist sehr wichtig für mich, bestimmte Dinge an aufstrebende junge Leute weiterzugeben. Auf meine Art an ihrer Entwicklung mitzuwirken. Bei anderen das Verlangen zu erwecken, ihren Traum auszuleben, neue Neigungen zu entdecken und ihnen eine gewisse Energie zu übermitteln. Dies geschieht oftmals stillschweigend. Und dann erhalte ich eines Tages einen Brief, eine E-Mail oder ich sehe einen Menschen wieder, der sich bei mir bedankt, weil ich vor einem Jahr, vor drei oder vor zehn Jahren etwas gemacht oder gesagt habe, das bei diesem Menschen einen Wunsch oder eine Motivation geweckt hat. Es ist ein tolles Gefühl. Darum bemühe ich mich, wenn ich mit einem jungen Menschen an seiner Performance, d.h. an seiner mentalen Vorbereitung arbeite. Ich begleite ihn bei seinem Vorhaben Leistungssportler zu werden, aber ich versuche auch, ihm einen Schlüssel für sein künftiges Erwachsenenleben an die Hand zu geben. Das ist sehr bereichernd.»
Innere Kraft und Energie
«Es gibt dir innere Kraft, wenn du fühlst, dass du etwas in dir trägst und du es mit Entschlossenheit, Willenskraft und Fantasie umsetzt. Sich vorstellen, dass die Dinge möglich sind und in der Lage sein, alles dafür einzusetzen, dass sie verwirklicht werden. Diese innere Kraft ist eine Art von Energie, ein Fluidum. Und Energie ist alles. Sie ist die Grundlage jeden Handelns, jeder Emotion, jedes Wunsches und Traumes. Sie ermöglicht uns das zu tun, was wir tun möchten. Unsere Energie stimuliert und stützt uns bei allem, was wir tun. Ich hätte fast Lust, das Wort "Mission" zu benutzen. Ich lebe meine Energie wie etwas, das untrennbar mit meiner Mission verbunden ist. Aber da wird es schwierig, noch weiter zu gehen.»
Inspiration, Lebenserfahrung, Träume, Reisen
«Ich lese gerne Geschichten über die Berge, Romane und philosophische Werke. Als Jugendliche haben mich die Tagebuchaufzeichnungen "Les carnets du Vertige" und die Hauptperson Louis Lachenal tief beeindruckt. Er hat mich nachhaltig inspiriert. Ich bewunderte seinen reinen und starken Charakter. Aber das ist nicht alles. Ich spürte, dass unter seiner harten Schale ein Mann mit einer gewissen Demut, einer gewissen Haltung steckte. Hinter seiner körperlichen Kraft und seiner Charakterstärke verbirgt sich etwas sehr Schönes. Außerdem mag ich seine draufgängerische Art: keine Zeit verlieren beim Zustieg, nicht zu viele Fragen stellen, wenn du auf ein Hindernis triffst, sich den Schwierigkeiten stellen, im richtigen Augenblick und bestmöglich auf eine Situation reagieren... So sehe ich ihn jedenfalls. Wie beim Lesen gewisser Bücher, gibt es auch Reisen, die keinen großen Eindruck hinterlassen. Und es gibt Reisen, die dich fürs Leben prägen. Ich glaube, dass alles eine Frage der Begegnung zu einem bestimmten Zeitpunkt in deinem Leben ist. Und wieder das Wort Begegnung. Begegnung mit einem Land, mit den Menschen in diesem Land, mit sich selbst... Eine bestimmte Reise zu einem bestimmten Zeitpunkt deines Lebens hat nicht den gleichen Reiz und auch nicht die gleiche Wirkung, als wenn du sie drei Jahre früher gemacht hättest. Das gilt auch für Bücher. Damit die Begegnung funktioniert, müssen auch andere Dinge stimmen: unsere Energie, unser Verlangen, den Dingen und den Menschen aufgeschlossen gegenüber zu stehen... Unter diesem Aspekt muss man nicht unbedingt in die Ferne reisen.»