Im Mai 2013 folgten die Ausbilder von Petzl Solutions einer Einladung des Petzl Distributors in Russland zur Durchführung eines Ausbildungsprogramms für den Pistenrettungsdienst im Skigebiet von Sochi. Dieses liegt im Westen des Kaukasus, einer unberührten Bergregion in der Nähe des Schwarzen Meers. Hier werden im Februar 2014 die Olympischen Winterspiele ausgetragen.

 

Formation évacuation remontées mécaniques © PETZL/Lafouche

In dem 45 Kilometer von der Küste entfernten Skigebiet von Sochi herrscht fieberhafte Geschäftigkeit, um die Hotels und den Ausbau des Skiressorts für die Winterspiele fertigzustellen. Das Gebiet wird um zahlreiche Beförderungsanlagen, von denen sich einige noch im Bau befinden, erweitert.

 

Interview mit Konstantin Tyabin, Chef des Rettungsdienstes im Skigebiet Rosa Khutor.

Der ehemalige Rettungsassistent und Offizier der russischen Bergwacht bekleidet diesen Posten seit vier Jahren. Er begann seine Tätigkeit als einziger ausgebildeter Pistenretter und hat mittlerweile sein Team zusammengestellt. Die insgesamt 26 Skiwachtmitarbeiter arbeiten in zwei Teams à 12 Personen zusätzlich einer Person für die Verwaltung. Jedes Team hat einen Teamleiter und hat vier Tage hintereinander Bereitschaftsdienst im Skigebiet.
In der Realität sind sie ebenfalls für Rettungseinsätze auf dem gesamten Off-Piste-Gelände sowie im Gebäude- und Infrastrukturbereich von Rosa Kutor zuständig.

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Vor sieben Jahren existierte das Skigebiet Rosa Khutor noch nicht… Seinerzeit gab es nur einen Skilift in Alpika Servis. In der Wintersportsaison 2013 waren sechs Beförderungsanlagen in Betrieb, darunter eine dreiteilige Kabinenbahn, die die Fahrgäste vom Talgrund bis zum Gipfel des Skigebiets befördert. Die Besucherzahlen des Skigebiets lagen im Durchschnitt bei 1000 bis 2000 Skifahrern pro Tag und erreichten während der Winterferien bis zu 6000 Skifahrer täglich. Zu den Olympischen Winterspielen 2014 werden zusätzlich acht neue Beförderungsanlagen in Rosa Khutor, darunter eine Seilbahn, in Betrieb genommen.

Während der Skisaison nimmt Konstantin an den täglichen Sitzungen zwischen der Skiwacht, dem für das künstliche Auslösen von Lawinen zuständigen Team und dem Betreiber teil. Sie entscheiden gemeinsam darüber, ob das gesamte Skigebiet oder nur ein Teil davon geöffnet wird.

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Hat es in der Vergangenheit Rettungseinsätze oder Evakuierungen aus Skiliften gegeben? 
2012 mussten aufgrund eines Betriebsausfalls im ersten Abschnitt der Kabinenbahn 67 Fahrgäste evakuiert werden. Der Einsatz verlief ohne Zwischenfälle nach dem vorgesehenen Protokoll.

 

Welche Auswirkungen haben die Olympischen Spiele für Ihr Team?

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Die Mitarbeiter der Skiwacht haben alle Hände voll zu tun mit den Vorbereitungsarbeiten der neuen Infrastrukturen (Pisten, Snowparks, Beförderungsanlagen). Die hohen Anforderungen an die Organisation der Winterspiele bringt eine entsprechend große Verantwortung mit sich. Wir stehen natürlich unter starkem Druck, aber andererseits ist dies auch eine einmalige Chance für mich und mein gesamtes Team. Es ist das Ergebnis meiner Arbeit in den vergangenen vier Jahren, die darin bestand, ein Team zusammenzustellen und alle Teammitglieder gemeinsam auf dieses große Ereignis vorzubereiten.

 

Welche Vorteile ergeben sich für Ihr Team durch die Schulung von Petzl Solutions?

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Direkt mit einem Hersteller und seinem technischen Team zu kooperieren war an sich schon eine sehr gute Idee. Es ist uns leicht gefallen, mit dem russischen Distributor und den Ausbildern von Petzl zusammenzuarbeiten. Die Ausbildung war speziell auf unser Team zugeschnitten; wir haben Ideen und Erfahrungen ausgetauscht und eine Lösung erarbeitet, die den Besonderheiten unseres Skigebiets Rechnung trägt. Wir haben viel über die in anderen Ländern eingesetzten Techniken gelernt und erfahren, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich mit der Problematik der Evakuierung befassen. Wir sind Teil einer großen Familie!!! Wir möchten diese Zusammenarbeit künftig fortsetzen und möglicherweise hier in Sochi auch Schulungen für Skiwachtmitarbeiter aus anderen Teilen Russlands anbieten. Der Gedanke eines Tages ein Petzl Technical Partner zu werden ist aufgrund des Konzepts, Informationen und Erfahrungen aus der ganzen Welt miteinander zu teilen, sehr reizvoll. Diese Art Training sollte in regelmäßigen Abständen stattfinden.
Nach dieser Ausbildung werden wir die neuen Techniken in unsere Evakuierungspläne aufnehmen, sie beim Training umsetzen und die benötigte Ausrüstung beschaffen. Ich bin absolut zuversichtlich, dass das gesamte Team zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele bereit sein wird.

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Programm der Ausbildung "Rettung an Skiliften" von Petzl Solutions:

Tag 1: Kontakt mit Konstantin und Erkundung des Terrains, Bestimmung der Trainingsgebiete.

Tag 2: Vorstellung der Teilnehmer und Ausbilder und Begutachtung der Beförderungsanlagen.

  • Vorführung der verwendeten Techniken durch die Skiwachtmitarbeiter.
  • Vorführung der verwendeten Techniken durch die Ausbilder von Petzl Solutions.
  • Diskussion und Ideenaustausch über Ausrüstung, Techniken und Strategien.

Tag 3: Austausch von Informationen über die unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen in Bezug auf Rettungseinsätze an Skiliften.

  • Ausarbeitung neuer Lösungen und Techniken im Schulungsraum, Brainstorming-Session mit Trainingtools (Produktmagnete).
  • Umsetzung der erarbeiteten Lösungen mit echten Produkten.
  • Praxisexperimente für alle Teilnehmer.

Tag 4: Diskussion am Boden mit den Produkten, um sich auf eine von allen Skiwachtmitarbeitern umzusetzende Lösung zu einigen.

  • Umsetzung der Technik in der Praxis.
  • Gemeinsames Essen auf dem Gipfel des Skigebiets und Debriefing.

Formation évacuation remontées mécaniques © PETZL/Lafouche  Formation évacuation remontées mécaniques © PETZL/Lafouche

 

Es war das erste Mal, dass diese Ausbildung für Endanwender durchgeführt wurde. Es hat drei Monate gedauert, um die Schulung vorzubereiten, auszuarbeiten, zu experimentieren und schließlich das Schulungsmaterial zusammenzustellen. Diese Ausbildung wird in Erwartung eines in Hong Kong geplanten speziellen Ausbildungsmoduls für die Rettung an Skiliften in allen Petzl Technical Institutes und bei den Petzl Technical Partners durchgeführt.

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Chris Blakeley, Ausbilder bei Petzl Solutions

Die Ausbildung hat einen regen Austausch mit einem motivierten Team ermöglicht. Wir haben gut mit ihnen zusammengearbeitet und haben eine dem Gebiet und seinen Bedingungen angepasste vielseitige Lösung erarbeitet.
Der enge Kontakt mit den Endkunden war sehr wichtig und wurde durch die Kooperation und die Unterstützung unseres dortigen Distributors erleichtert. Das Team hat nun alle Mittel in der Hand, um seinen Evakuierungsplan und seine Techniken zu perfektionieren. Der Bedarf nach einer geeigneten Ausbildung nimmt in Russland derzeit sehr schnell zu und der Distributor befasst sich mit dem Aufbau eines eigenen PTI. Wir freuen uns, dass unsere Ausbildungsprogramme ein so reges Interesse für den Status eines PTP hervorgerufen haben.

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Jean-Charles Bonsignore, Ausbilder bei Petzl Solutions
Es war die Feuertaufe für Petzl Solutions, das erste von uns entwickelte und in der Praxis umgesetzte Ausbildungsprogramm. Der Ausbildungsrahmen umfasste alle Aspekte der Beförderung per Skilift und Seilbahn. Die Benutzer erhielten einen umfassenderen Überblick über die Problematik der Evakuierung und sind damit in der Lage, die Technik ihrem Terrain anzupassen. Das Ziel von Petzl Solutions ist nicht, mit einem fertigen Konzept anzutreten und unsere Methode aufzudrängen. Wir bevorzugen den Austausch über die vom Kunden angewendeten Techniken und geben ihm Anregungen und praktische Hilfsmittel an die Hand, um die Sicherheit, die Effizienz und die Nutzung der Produkte von Petzl zu optimieren. Im Gegenzug erweitern wir unser eigenes Wissen über den Einsatz unserer Produkte, um diese Informationen mit anderen Nutzern zu teilen.

 

 

Formation évacuation remontées mécaniques © PETZL/Lafouche

Teilnehmer des Ausbildungsprogramms: Tyabin Konstantin, Vorontsov Vladimir, Seleznev Sergey, Ivasheenko Vasiliy, Yakushenko Alexander, Povarov Eugeniy, Davidov Vladimir, Alekseev Mikhail.

 

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