Petzl RocTrip 2012: Beschreibung des Klettergebiets

 

PictoKlettermöglichkeiten

Martin MolinaGeschichte des Klettergebiets

Martin "Fideo" Molina ist Bergführer in Mendoza. Er und seine Freunde gehören zu den ersten Erschließern des Gebiets.

Die Erstbegehung des Piedra Parada geht auf das Jahr 1993 zurück, als der 200 m hohe vulkanische Monolith von Damian Benegas und Pablo de la Fuente bezwungen wird. 1997 macht Fideo sein Praktikum als Bergführer und sieht zum ersten Mal die Fotos seines Kollegen Martin Gretsh vom Piedra Parada und der Buitrera-Schlucht. Damit war sein Projekt, Kletterrouten in diesem Gebiet zu erschließen, geboren. Zwei Jahre später ist er endlich an Ort und Stelle und entdeckt enorme Klettermöglichkeiten. Seither kommen er und seine Freunde ein- bis zweimal im Jahr hierher, um neue Routen zu erschließen. Ihre erste Sportkletterroute, die "Mickey Mouse", befindet sich auf der rechten Seite der Schlucht neben einer archäologischen Stätte.

"In einem Jahr konnten wir den Rio Chubut nicht überqueren. Die ehemalige kleine Brücke war zerstört und mitten im Winter war das Wasser wirklich zu kalt, um hinüber zu schwimmen. Wir mussten unverrichteter Dinge wieder heimkehren!"

 

Vor fünfzehn Jahren war es extrem schwierig, in Argentinien Laschen und Bohrhakenschrauben zu finden. Vor der Reise im März 2012 für den Petzl RocTrip waren hier ungefähr einhundert Seillängen eingerichtet.

Dank der von den Ausrüstern verrichteten Arbeit erwarten Sie jetzt insgesamt 210 Längen!

Arbeit erwarten Sie jetzt insgesamt 210 Längen!

 

Derzeitige Aufteilung nach Schwierigkeitsgraden (März 2012)
Routen im Schwierigkeitsgrad 5: 12 Längen
Routen im Schwierigkeitsgrad 6: 76 Längen
Routen im Schwierigkeitsgrad 7: 75 Längen
Routen im Schwierigkeitsgrad 8: 19 Längen
Und "Projectos", die noch freigegeben werden müssen

 

An der Südwand des Piedra Parada (im Schatten) wurden eine Reihe interessanter Sportkletterrouten erschlossen. Die meisten Routen befinden sich in der Buitrera-Schlucht. Die Sektoren der Sportkletterrouten sind auf beide Seiten der Schlucht verteilt und ermöglichen ein ständiges Wechselspiel zwischen Sonne und Schatten. Bei mehreren Sektoren handelt es sich um kleine Schluchten der Nebenflüsse.

Auch in Rissen und Nadeln wurden Mehrseillängenrouten eingerichtet für ein Klettererlebnis in unberührter Natur. 

 

Photo d'escalade

Das gesamte Gebiet besteht aus einem ehemaligen Vulkan mit einem Durchmesser von 30 Kilometern, durch dessen Explosion ein riesiges Wasserbecken entstanden ist. Als der Damm brach, hat sich das Wasser des Rio Chubut sein Tal und die Schlucht gegraben und die härtesten Felsen wieder zutage gebracht. Einige Gesteinsschichten sind mit "Taffoni", zu deutsch Löcher, aller Größen übersät, die das Klettern zu einer wahren Freude machen. Die Routen werden in der Regel in homogenen Bereichen erschlossen, aber seien Sie trotzdem vorsichtig, nicht alle Stellen sind zum Klettern geeignet.

 

Canyon de la Buitrera

Der Eingang des Canyon ist vom Campingplatz aus zu Fuß in fünf Minuten zu erreichen. Nach einer Viertelstunde erreichen Sie den ersten Sektor namens Mickey Mouse. Das andere Ende der Schlucht ist in 45 Minuten auf flachem Gelände erreichbar.

Die spitze Nadel der "Virgen" auf der rechten Seite der Schlucht wird in mehreren schwierigen Seillängen (7b) erklettert.

Gleich danach befindet sich direkt über dem Weg der Sektor "Totem" mit seinem Westgrat. Dann kommen die Sektoren "Ortigas", "Circo", "Parlamento", "Anfiteatro" usw., wo zahlreiche Sportkletterrouten entstanden sind.

Ein wunderschöner Sektor mit Kletterrouten von mittlerer Schwierigkeit befindet sich in einer Flussschlinge auf der linken Seite kurz vor Ende der Schlucht in einer steilen, mit Löchern und Henkeln versehenen Rinne: "Jardin del Eden", fünf Routen im Schwierigkeitsgrad 6, die keiner verpassen sollte.

 

Canyon de la Buitrera

Einer der Höhepunkte der Reise ist zweifellos der Sektor "la Calavera", der sich auf der linken Seite am Ende der Buitrera-Schlucht befindet. Es handelt sich um den Eingang zu einer kleinen Nebenschlucht mit einer Felsformation, die an die Form eines Schädels erinnert. Die Öffnung der Schlucht bietet auf der einen Seite stark überhängende Routen und auf der anderen Seite lange, steile Wände mit Rissen und Leisten.

Wer etwa einhundert Meter in die Flussschlinge hineingeht, kann das örtliche Schmuckstück entdecken. An der Stelle, wo sich die Schlucht verengt und verdunkelt, verwandelt sich die linke Seite in eine riesige herabstürzende, mit Löchern versehene Welle, während die rechte Seite weniger steil wird. Zeitweise wird es fast dunkel, aber am Nachmittag dringen flüchtige Sonnenstrahlen bis zum Boden und tauchen die Schlucht in ein sanftes, goldenes Licht. Der Sektor "la Calavera" bietet Kletterrouten in den Schwierigkeitsgraden 5 bis 8 mit allen Varianten dazwischen. Das Ganze mit einer Variation aus Licht und Schatten, eine wahre Augenweide und zudem auch noch windgeschützt.

Die Sportkletterrouten sind mit Bohrhaken ausgerüstet und die Standplätze sind eingerichtet und mit Schließringen versehen. Sie benötigen etwa fünfzehn Expressschlingen, ein Einfachseil von 70/80 m (in den meisten Routen unverzichtbar) und eine Seiltasche, um das Seil vor dem extrem aggressiven Staub zu schützen. Sehen Sie ausreichend Chalk vor, der Helm ist unverzichtbar. Die Kletterrouten sind neu, Schuppen können wegbrechen, aber auch Steine können sich durch den Wind oder Tiere (z.B. das in den Felsen lebende Chinchillon) lösen. Während des RocTrip sind alle Teilnehmer gehalten, am Fuße der Kletterrouten einen Helm zu tragen.

Canyon de la Buitrera

 

 

PictoSchutz und Archäologie: die Petzl-Stiftung engagiert sich
 

Die Buitrera-Schlucht ist ein schutzbedürftiges Gebiet: Autos, Haustiere und Feuer sind hier verboten. Geschützte Stellen verfügen über eine reiche Flora und Fauna. Sie werden mit Sicherheit Bekanntschaft mit einer Chinchillon-Sippe (eine wilde Kaninchenart mit einem langen Schwanz und kräftigen Krallen) machen. Das Chinchillon setzt sich gerne auf den Gipfel eines Felsblocks, um die Umgebung zu beobachten, und wenn Sie auch nur einen Schritt zu weit gehen, verschwindet es blitzschnell in den Felsen! Außerdem leben in der Gegend kleine Lamas und wilde Guanakos. Mit viel Glück erhaschen Sie vielleicht auch einen Blick auf eine Nandu-Herde (kleine wilde Strauße). Obwohl er sich niemals zeigt, bevölkert der Puma noch immer diese urwüchsige Gegend.

Dieser außergewöhnliche Standort hat es verdient, von der Petzl-Stiftung unterstützt zu werden, um die Entwicklung eines Klettersports zu fördern, der die Umwelt und die Geschichte des Standorts respektiert.

Dazu beitragen, Klettersport und Schutzbedürfnis in Einklang zu bringen. Die Entwicklung des Tourismus im weiteren Sinne im Respekt vor der historischen Dimension, des Kulturerbes und des Umweltschutzes zu unterstützen, dies alles gehört zu den Aufgaben der Stiftung. Ihre Aktion ist daher auf drei Schwerpunkte ausgerichtet:

  • Unterstützung der politischen Maßnahmen in Bezug auf die Zugangsgarantie für das in einem Naturschutzgebiet gelegene Klettergebiet unter Beachtung des Umweltschutzes.
  • Hilfestellung beim Schutz der archäologischen Stätte in der Buitrera-Schlucht. Der außerhalb des Flusswassers befindliche Felsüberhang diente vor 5 bis 10.000 Jahren den ersten Bewohnern dieses Ortes als Behausung. Obwohl die Ausgrabungen bedeutende Funde zutage gebracht haben, ist die Stätte nicht geschützt (z.B. vor Tieren, die hier bei Regen Unterschlupf suchen). Die Stiftung wird bei der Einrichtung einer Schutzvorrichtung und bei der Verbreitung von Informationen über die getätigten Ausgrabungen behilflich sein.

    Photo du site archéologique

  • Einige Kletterrouten lagen zu nahe an der Ausgrabungsstätte, so dass die Anwesenheit der Kletterer spätere Forschungen möglicherweise beeinträchtigt hätte. In Absprache mit den Archäologen wurden diese Kletterrouten gesäubert und werden nicht mehr begangen. Durch diese Vereinbarungen wurde ein kletterbarer Bereich abgesteckt. Die ersten historischen Routen (Mickey Mouse usw.) links vom Höhleneingang konnten erhalten bleiben. Eine Absprache, die alle zufrieden stellt!

    Site archéologiqueSite archéologique
     

  • Für bessere Unterbringungsmöglichkeiten der Kletterer sorgen. Der in der Nähe der Schlucht liegende Campingplatz verfügt derzeit über keine Infrastruktur. Die Stiftung wird sich an der nachhaltigen und umweltverträglichen Gestaltung (Trockentoiletten usw.) beteiligen, während sich der Besitzer des Campingplatzes verpflichtet, den Besuchern ein besseres Angebot zur Verfügung zu stellen.

    Die von Besuchern und Kletterern zu beachtenden Regeln werden in einem Nutzungsplan festgelegt. Das für den Petzl RocTrip herausgegebene Klettertopo enthält ebenfalls Informationen über das Klettergebiet, seine Geschichte und darüber, wie der Besucher zu seinem Schutz beitragen kann.

 

+Weitere Informationen über die Aktion der Stiftung in dem Klettergebiet finden Sie auf der Website www.petzl-foundation.org