Selbstsicherung beim Solo-Klettern: Installation mit einem Hilfsseil


Selbstsicherung beim Solo-Klettern entlang eines Fixseils
Installation mit zwei Seilklemmen und einem Hilfsseil:
Wichtig
- Es empfiehlt sich, nicht allein zu klettern: Die optimale Lösung ist das Klettern in der Seilschaft.
- Klettern ist eine gefährliche Aktivität. Sie sind für Ihr Handeln und Ihre Entscheidungen verantwortlich.
- Die Selbstsicherung beim Solo-Klettern ist ausschließlich erfahrenen Anwendern vorbehalten.
- Diese Unterlage behandelt das Klettern entlang eines Fixseils, ohne dass der Kletterer am Seil festgebunden ist (außer beim Ausruhen). Der Aufstieg am Kletterseil (Speläologie, Bigwall, Spaltenrettung, Himalaya-Expeditionen usw.) wird hier nicht behandelt.
- Im Falle eines Unfalls mit Bewusstlosigkeit (Sturz, Steinschlag) ist eine Rettung schwierig. Das Tragen eines Schutzhelms wird dringend empfohlen. Klettern Sie nicht alleine, ohne jemanden über Ihr Kletterziel und Ihre geplante Rückkehr zu informieren.
- Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Sie müssen unsere technischen Vorschläge den Anforderungen des Geländes anpassen.
- Um die in dieser Unterlage vorgeschlagenen Lösungen richtig zu verstehen, müssen Sie die Gebrauchsanleitungen aller betroffenen Produkte gelesen, verstanden und verinnerlicht haben.
- Die vorgeschlagenen Systeme sind komplex, jede Änderung kann eine Beeinträchtigung ihrer Funktionsfähigkeit in der Praxis zur Folge haben.
- Von den in den Abbildungen dargestellten Techniken sind nur solche zulässig, die nicht durchgestrichen sind und/oder mit keinem Totenkopfsymbol versehen sind.
Die Nichtberücksichtigung auch nur einer dieser Warnungen kann zu schweren Verletzungen oder sogar Tod führen.
SELBSTSICHERUNG AN ZWEI FIXSEILEN: komplette Installation

Installation am Gurt mit zwei Seilklemmen:
Die erste Seilklemme wird mit einem OK-Karabiner an der Verbindungsöse des Gurts befestigt.
Am anderen Seil wird für den Notfall eine MICROCENDER installiert. Sie wird mit einem Schließring (PRESTO oder GO), einer EXPRESS-Schlinge 17 cm und einem OK TRIACT LOCK-Karabiner an den beiden Anseilösen des Gurts befestigt.
Überprüfen Sie nach der Installation, dass sich beide Seilklemmen leicht am Seil nach oben schieben lassen und nach unten sofort blockieren.
Vergewissern Sie sich vor dem Aufstieg, dass alle Verbindungselemente verriegelt sind.
Für die Selbstsicherung benötigte Ausrüstung:
- zwei dynamische (EN 892) oder halbstatische Einfachseile (EN 1891) von mindestens 10 mm Durchmesser
- erste Seilklemme (ASCENSION, MICRO TRAXION, BASIC, MINI TRAXION) mit OK-Verbindungselement
- zweite Seilklemme: MICROCENDER mit OK TRIACT-LOCK-Verbindungselement
- eine EXPRESS-Schlinge 17 cm
- mit einem Schraubenschlüssel angezogenes PRESTO- oder GO-Verbindungselement.
Installation der zweiten Seilklemme: nur MICROCENDER!
Im Falle einer Fehlfunktion der ersten Seilklemme besteht die Gefahr eines Sturzes von Faktor 2 in die Notfallseilklemme (zweifache Höhe der Verlängerung). Diese Art Sturz ist bei einer ohne Falldämpfer verwendeten Seilklemme mit verzahnten Klemmnocken (ASCENSION, BASIC, MINI TRAXION usw.) auszuschließen, da die Zähne Spuren am Seilmantel hinterlassen und diesen sogar einreißen können. Petzl empfiehlt daher die Verwendung einer Seilklemme mit Reibnocken: MICROCENDER.
Sturzprüfungen (Höhe = zweifache Länge der Verlängerung), in der Nähe des Knotens, Prüfkörper von 80 kg
| Notfallseilklemme | Verlängerung | Gemessener Fangstoß | Auswirkung auf das Seil |
| MICROCENDER | GO + EXPRESS 17 cm + OK | 4.8 kN | |
| ASCENSION | 4 kN | ||
| ASCENSION | GO + EXPRESS 17 cm + OK | 4.7 kN |
Anmerkungen:
- Sie müssen ein Abseilgerät (GRIGRI) und ein System mit Fußschlaufe (Seilklemme für Notfälle TIBLOC + ANNEAU) dabei haben, um sich bei einem gescheiterten Aufstieg am Seil fortbewegen zu können.
- Die beiden Seilklemmen dürfen nicht an derselben Öse des Gurts befestigt werden: Sie könnten bei einem Sturz gegeneinander stoßen und sich gegenseitig beschädigen.
- Dächer und Quergänge komplizieren das System, sie machen zahlreiche Umlenkungen und erhöhte Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Wägen Sie in diesen speziellen Fällen die Risiken erneut ab.
Verbindung der ASCENSION- Seilklemme mit Griff und der BASIC-Seilklemme zur Selbstsicherung:
Das Gerät muss mit Hilfe der oberen Öse korrekt am Seil installiert werden. Achten Sie darauf, das Seil durch den Karabiner zu führen.

Hinweise:
Bei diesen Stürzen mit einem Faktor unter 1 wird das Seil durch die Zähne der Seilklemmen nicht beschädigt.
Trotz ihres aggressiven Aussehens beschädigen die Zähne der BASIC und der ASCENSION das Seil bei normalem Gebrauch nicht.
Die Feder drückt den Klemmmechanismus auf das Seil, so dass dieser ohne zu rutschen effizient ist, sobald er aktiviert wird. Der Seilmantel wird vor allem bei neuen und spitzen Zähnen nicht beschädigt.

Achtung: Auf diesem Foto ist die
Sperrfunktion der MINI TRAXION
deaktiviert.
Verwendung der Umlenkrolle MINI TRAXION:
Achtung!
Petzl hat festgestellt, dass die MINI TRAXION häufig als Seilklemme zur Selbstsicherung am Fixseil benutzt wird. Es ist zu schweren Unfällen gekommen und es wurden zahlreiche Fehlbedienungen registriert.
Das Risiko ist groß, dass das Gerät mit geöffnetem Klemmmechanismus verwendet wird. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Klemmmechanismus während des Aufstiegs unbeabsichtigt geöffnet wird.
Daher muss die MINI TRAXION unbedingt zusammen mit einer anderen Seilklemme (ASCENSION, BASIC, MICROCENDER usw.) verwendet werden.
Petzl rät von einem Sicherungssystem nur mit zwei MINI TRAXION zum Solo-Klettern entlang eines Fixseils ab.
Nicht erschöpfende Risikoanalyse
Die Risiken variieren entsprechend der jeweiligen Situation, führen Sie Ihre eigene Analyse durch!
Einführung in die Risiken der Installation:
- Beim Zugang von oben besteht das Risiko abzustürzen, bevor das Seil installiert wurde, seien Sie vorsichtig, wenn Sie sich dem Anschlagpunkt nähern.
- Achten Sie auf Steinschlag beim Zugang von oben und bei Bewegungen des Seils.
- Bruch der Verankerung oder Seilriss: Passen Sie Ihre Installation dem Gelände an, wählen Sie eine solide Verankerung mit drei Fixierungspunkten und achten Sie darauf, dass das Seil nicht an einer Kante oder einem Felsvorsprung reibt. Ein Seilschutz (PROTEC C45) kann sich als unverzichtbar erweisen.
- Risiko eines Grounders: Bei einem Sturz während der ersten Meter des Aufstiegs können Sie selbst bei einem korrekt installierten System aufgrund der Seildehnung auf den Boden aufschlagen. Die statische Seildehnung beträgt ungefähr 10 %. Wenn Ihre Route 50 m lang ist, besteht die Gefahr, dass Sie aufgrund einer einfachen Ruhepause während der ersten fünf Meter des Aufstiegs auf den Boden aufprallen.
Einführung in die Bedienungsrisiken:
- Rutschen des Geräts: falsche Installation, Entriegelung des Klemmmechanismus während des Gebrauchs (Reibung, behindernde Gegenstände).
- Verlust des Geräts: beim Übergang vom Aufstiegs- zum Abstiegssystem ist das Anbringen des Abseilgerätes am belasteten Seil schwierig.
- Verlust des Seils: Wenn Sie in einer überhängenden Wand mittels Kuhschwanz befestigt sind, führen Sie Ihre Seilmanöver durch, ohne sich vollständig aus dem Seil auszubinden: Wenn Sie das Seil pendeln lassen, reicht schon ein ein leichter Überhang, damit Sie es nicht mehr erreichen können.
- Durchhängendes Seil: Wenn die Last am Seilende unzureichend ist, rutscht das System langsamer als die ASCENSION, es bilden sich Schlaufen zwischen Ihnen und dem Anschlagpunkt. Die Sturzhöhe wird größer.
- Aufstieg über den Anschlagpunkt hinaus = Sturzfaktor 2. Bleiben Sie immer unterhalb des Sicherungspunktes, berücksichtigen Sie dies bei der Installation für den Auf- und Abstieg.





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