France

Philippe Bence

Philippe Bence - photo © Florence Guillot
  • 24 Juli 1969
  • Ariège (Frankreich)
  • Mathematikstudium, staatlich geprüfter Lehrer für Sportklettern, Speläologie, Canyoning, Höhlenrettungs-Kurse. Selbstausbildung in Grafikdesign, Fotografie, Webdesign und Kommunikation
  • freiberuflicher Grafiker, Drucker, Lehrer für Sportklettern, Speläologie und Canyoning, Fotograf und Leiter des Festivals EXPLOS
  • 2010

Anspruchsvoll in Bezug auf die Ausrüstung
"Ich weiß nicht warum, aber unter der Erde war ich ungeachtet der Höhlenkonfiguration und der Fortbewegungsart sofort in meinem Element. Vertraut und effizient in der Anwendung der Seiltechniken, der Ausrüstung und der vertikalen Fortbewegung. Schon in jungen Jahren habe ich als Begleiter für Höhlenforschung, Canyoning und Sportklettern gearbeitet. Ich habe meine Tätigkeit genutzt, um Höhlen in Frankreich und im Ausland zu erkunden, sobald sich die Gelegenheit dazu bot. Ich habe mich von Anfang an für die Höhlenrettung eingesetzt, zunächst als Leiter der technischen Schulungen im Gard und später als Chef des Rettungsteams und technischer Berater in Ariège. Außerdem habe ich an mehreren Kursen in Frankreich sowie an Schulungen in Osteuropa teilgenommen. Ich stelle sehr hohe Ansprüche an die Ausrüstung und es ist mir wichtig, dass alles optimal und am richtigen Platz ist, so dass die Technik in einem bereits schwierigen Umfeld keine zusätzliche Belastung darstellt! Für mich bezieht sich Effizienz auch auf kleine praktische Details. Ich habe einen Ypsilon-Knoten für Seile mit geringem Durchmesser und eine Handschlaufe für die BASIC "erfunden", die in großen vertikalen Abschnitten, wenn der Anwender mit Ausrüstung beschwert ist, nützlich sein kann."

Ein passionierter Höhlenforscher
"Im Alter von 10 Jahren entdeckte ich auf der vierten Umschlagseite eines Buchs, das ich zum Geburtstag bekommen hatte, ein Foto von einem Höhlenforscher, der in eine dunkle, nasse Welt hinabsteigt. Ich sagte mir, das ich unglaublich, so etwas möchte ich auch machen! Ein paar Jahre später wage ich mich mit Freunden ohne richtige Ausrüstung unter die Erde… Später mache ich alleine weiter, praktisch ohne technische Kenntnisse aber zum Glück ohne Probleme. Ich mache die Bekanntschaft mit Mitgliedern eines Clubs und lerne endlich, nicht allzu viel falsch zu machen… Danach befasse ich mich ernsthafter mit meiner Ausbildung, entdecke andere Gebirgsmassive und größere Höhlen und mache Bekanntschaft mit der Welt des Verbands. Schon bald lege ich die Prüfung zum staatlich geprüften Höhlenforscher ab und beende den ersten Ausbildungsabschnitt 1995 als Jahrgangsbester."
 
 
Unter der Erde beginnt das wirkliche Leben... Erstaunlich!
"Die Speläologie ist seit über zwanzig Jahren der Leitfaden in meinem Leben. Sie gestattet es mir, prägende Höhepunkte zu erleben und fantastische Orte zu bereisen. Die Besonderheit dieser Aktivität erweckt die Neugier der Leute und ermöglicht es, echte Kontakte zu den Menschen zu knüpfen und mehr zu sein als nur ein Tourist. Außerdem kann ich mich dabei vom Druck und den Zwängen des modernen Alltags befreien. Selbst wenn sich die Höhe in meiner näheren Umgebung befindet, tauche ich sofort ein in eine andere Dimension, eine andere Welt ohne Handys und das tut gut! Am meisten gefällt mir das Erforschen: neue Schachtsysteme entdecken und erfinden (so nennt man das), das Glück und das Privileg genießen, sich zum ersten Mal in ein unbekanntes Terrain zu begeben. Es ist schwer, dies zu beschreiben, du musst es erlebt haben, um dieses starke Gefühl zu verstehen."
 
 
Und es gemeinsam mit anderen erleben
"Höhlenforscher sind wie Bergsteiger Teil einer sportlichen Tradition und einer Geschichte, die von starken Männern und Frauen geschrieben wird. Viele von ihnen verlangen uns aufgrund ihres Werdegangs und ihrer vollbrachten Leistungen Respekt ab. Ich denke an Al Warild, meinen australischen Freund und Speläologen, der praktisch alle großen Höhlen unseres Planeten begangen hat und der nach über vierzig Jahren Höhlenforschung noch immer die gleiche Motivation und die gleiche Energie hat, schwierige Dinge zu meistern."
 
 
Leiter eines Festivals als Öffnung zu einer anderen Welt: EXPLOS
"Ich fühle mich Menschen nahe, die sich wie ich nicht auf eine einzige Sportart versteifen, sondern im Gegenteil auch für andere Bereiche wie Sportklettern in Mehrseillängenrouten, Canyoning, Bergsteigen in den Pyrenäen, Ski, Mountainbike usw. aufgeschlossen sind. Ich liebe es, verschiedene Aktivitäten zu kombinieren und vor allem weiterzugeben, was ich gelernt habe und empfinde."
 
 
Das Festival EXPLOS
"Das Wichtigste für mich ist, den Menschen durch die Organisation dieser Begegnungen zu vermitteln, dass jede Begeisterung ein Leben mit Freude und Gemeinsamkeiten erfüllt. Jeder sollte selbst über sein eigenes Leben bestimmen können; zu viele Menschen leben fremdbestimmt. Ich möchte allen und ganz besonders jungen Menschen das Glück eines erfüllten Lebens vermitteln. Ich lade jedes Jahr mehrere Einrichtungen im Departement zur kostenlosen Teilnahme am EXPLOS Festival ein, damit junge Leute unsere Aktivitäten und die von uns gewählten speziellen Lebensformen entdecken und mit mit einigen herausragenden Persönlichkeiten Bekanntschaft machen können. Wir nutzen diese Gelegenheit, um den Teilnehmern die Achtung und die Erhaltung unserer Umgebung zu vermitteln. Wie Mike Horn ganz richtig sagt, die Jugend ist die größte Energiequelle der Zukunft. Es werden freundschaftliche Bande geknüpft mit Menschen, denen wir bei diesen Veranstaltungen oder während unserer Expeditionen begegnen. Das beste Kommunikationsmedium ist für mich das Bild. Deshalb stellt die Fotografie eine sehr wichtige Komponente für mich dar. Meine Devise lautet: erforschen, teilen, weiter gehen…"
 
 
Eine Anekdote von Philippe
"Nach all den Jahren kann ich mehrere mehr oder wenige amüsante Anekdoten erzählen!
Die eindruckvollste für mich ist die schwierige Notrettung, die wir 2002 in einem unterirdisch fließenden Fluss im Bihor-Gebirge (Rumänien) durchführen mussten. Ein sehr starkes Gewitter hatte zu einem fürchterlichen Wasseranstieg geführt. Es hat sich ein Fluss von mehreren Kubikmetern gebildet und ist unter die Erde geflossen, wo ein Team gerade eine Schnuppertour machte. Wir hatten Glück an diesem Tag und konnten sie im letzten Moment retten."
Der komplette Bericht wurde im Spéléo Magazine N° 42
 

picto plus Bedeutende Leistungen

"In der Höhenforschung gibt es keine Wettkämpfe und das ist gut so. Es ist wichtig zu wissen, dass die Erforschung unter der Erde eine Teamarbeit ist und einer alleine nichts ausrichten kann. Die Kenntnis der unterirdischen Welt erwirbt der Speläologe mit der Zeit. Oftmals arbeiten mehrere Teams oder sogar mehrere Generationen hartnäckiger passionierter Höhlenforscher daran! Ich hatte das Glück, meine Aktivität in 17 verschiedenen Ländern auszuüben und mit Freunden aus allen Teilen der Erde an der Entdeckung großer Höhlen und 100 km neuer Schachtsysteme teilzunehmen."

- Lefka Ori-Massiv (weiße Berge, Kreta) "Höhle des Löwen" (1110 Tiefenmeter) 2008
- Sierra Negra (Mexiko) "Santito-Höhle" (1187 Tiefenmeter) 2009
- Picos de Europa (Spanien) "Torca del Valle del Agua" (974 Tiefenmeter), 2010
- Provinz Guizhou (China) 2008, Erforschung großer Schachtsysteme wie Shuanghedong, der mit 128 km Gängen längsten Höhle des Landes
- Karstlandschaft von Khammouan (Laos) 2004 2006 2007, die größten Schachtsysteme des Landes
- Taurus-Gebirge (Türkei) 2007
- Tatras (Polen) "Wielka Literowa" (800 Tiefenmeter) 2000, erste komplette Erforschung dieser engen Höhle in 28 Stunden mit Zustieg
- Nakanai-Gebirge (Papua-Neuguinea), 4 Expeditionen von 2002 bis 2010
- Pyrenäen (Ariège, Frankreich) "Gouffre P7" (450 Tiefenmeter), "Gouffre du Papillon" (580 Tiefenmeter), laufende Expeditionen
- Pyrenäen (Spanien) "A55 Höhle" (470 Tiefenmeter) im Gebirgszug des Cotiela, laufende Expeditionen

picto rss Andere Informationen

Veröffentlichungen
Spéléoguide Ariège Pyrénées, Ausgabe EXPLOS 2002
 
Website
www.explos.fr
www.explos.org/Explos-expeditions.html

picto photo Photos

picto video Videos


 
 
 
Phil Bence ascending in a cave - photo © coll. P.Bence

picto featured Philippe und der Petzl-Team

"Ich stelle sehr hohe Ansprüche an die Ausrüstung. Für mich ist wichtig, dass alles optimal und am richtigen Platz ist, dass die Technik in einem bereits hinreichend schwierigen Bereich keine zusätzliche Belastung darstellt! Für mich bezieht sich Effizienz auch auf kleine praktische Details. Ich habe einen Ypsilon-Knoten für Seile mit kleinem Durchmesser erfunden sowie eine Handschlaufe für die BASIC, die für den mit Kits beschwerten Anwender in großen vertikalen Wänden sehr nützlich ist. Dem Petzl-Team gehöre ich erst seit 2010 an. Für einen Speläologen ist es nicht alltäglich, Mitglied eines Teams zu sein. Die anderen Mitglieder kenne ich noch nicht besonders gut, habe aber das Gefühl, mit Ihnen die Freude an einem reichen und erfüllten Leben zu teilen.
Meine Aufgabe im Team ist es, die Welt der Speläologen zu vertreten und alles, was diese Aktivität zu bieten hat, mit anderen zu teilen. Die Höhlenforschung ist im Petzl-Team eine neue Aktivität. Ich hoffe daher, etwas Neues beizutragen und durch meine Praxiserfahrung ein modernes Bild von der Höhlenforschung zu vermitteln."