France

Karine Herry

Karine Herry - photo © Lafouche
  • 2 Januar 1968
  • Les Estables, Haute-Loire (France)
  • Praktische Ärztin, Spezialgebiet Ernährung, Diplom für Sportmedizin/Hochleistungssport
  • Niedergelassene Ärztin auf dem Lande
  • 2007

Praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Expertise
«Mein Sport ist in erster Linie eine gemeinsame Aktivität mit der Familie, mit Freunden, Sportlern und Menschen, die gewisse menschliche Werte vertreten. Zu den Werten, die mich neben dem Bedürfnis nach Gemeinsamkeit zum Laufen anspornen, gehören die Entdeckung der Welt, der Menschen, von mir selbst, das wissenschaftliche Verständnis des menschlichen Körpers und seiner Schwächen sowie der Respekt vor der Gesundheit.»

Der Langstreckenlauf ist eine unheimlich schwierige Disziplin.
(100 km auf der Straße, 100 Meilen auf Wegen oder 24 Stunden-Lauf)
«Das Laufen bereichert mein Leben durch die Menschen, denen ich begegne, es ist ein Ausgleich für meine tägliche Arbeit als Ärztin, eine Leidenschaft, die ich mit meinem Mann teile und eine Schule fürs Leben für unsere Kinder. Es gefällt mir, durch diesen Sport andere Länder und Gegenden kennen zu lernen und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen zu beobachten. Am liebsten laufe ich in den großen amerikanischen Nationalparks, in Lateinamerika, in Japan und im Nepal. Diese riesigen geschützten Gebiete erfüllen mich mit Ehrfurcht, Demut und Entzückung, wie beispielsweise die unvermutete Begegnung mit wilden Tieren während des Ultra-Trail in den Rocky Mountains, der Anblick der unbeschreiblichen Flora in der Wüstenregion auf dem chilenischen Altiplano oder die ungezwungenen Kontakte und die Freundlichkeit der chilenischen und nepalesischen Bevölkerung. Beim Nachtlauf gefällt mir die permanente Suche nach dem Gleichgewicht mit dem Gelände. Was ich beim Auftauchen einer Klapperschlange, eines Pumas oder einer Bärin mit ihren Jungen im Lichtstrahl meiner Stirnlampe empfinde, ist einfach nicht zu beschreiben. Und das in einer Entfernung von weniger als zwei Metern.»
 
Gedanken über den Sport
«Das Schwierigste ist der körperliche und psychische Einsatz beim 24-Stunden-Rennen auf der Straße. Laufen gehört möglicherweise zu den Aktivitäten mit der größten mentalen Herausforderung. Du musst durchhalten und dich selbst motivieren. Du musst das richtige Gleichgewicht zwischen Leiden und Glücksgefühl finden. Beim Laufen gibt es keine Pausen am Standplatz wie beim Bergsteigen, wo du dich einen Moment ausruhen kannst. Das hilft mir zu verstehen, wie der Körper funktioniert und herauszufinden, wie der Körper durch Ruhepausen, Erholung und entsprechende Ernährung exakt auf diese sehr anspruchsvolle Aktivität eingestellt werden kann. Das versuche ich weiterzugeben. Eigentlich mache ich den ganzen Tag nichts anderes! Bei meinem Mann, unseren Kindern, den Kranken, um die mich kümmere sowie bei den Konferenzen und Beratungen zum Thema Ernährung für Privatpersonen, Unternehmen und Schulen. Ich nutze die beim Laufen gemachten Erfahrungen und meine Ausbildung als Ernährungsspezialistin, um Sportler und Patienten, die mich in meiner Praxis aufsuchen, bestmöglich zu beraten und gewissen gesundheitlichen Problemen vorzubeugen bzw. die Behandlung komplexer Krankheiten zu begleiten. Ich setze meine Überlegungen fort und hoffe, dass ich auf diese Weise einige der durch meine vierjährige intensive Teilnahme als Frau an Ultra-Trails aufgeworfenen Fragen beantworten kann. Im Großen und Ganzen bringen die Sportler dieser Frage nur wenig Objektivität entgegen. Wir sind Zeugen von eher kurzen Karrieren, da die Läufer nur etwa zwei bis drei Jahre an vorderster Front bleiben. Die Erholungsphase wird oftmals nicht eingehalten, was die Zahl der Verletzungen und Erschöpfungszustände im Laufe der Zeit erklärt. Mein Bestreben ist, meinen Körper bestmöglich zu regenerieren und einige meiner Hypothesen in Bezug auf die Gesundheit und die Auswirkung von Trail- und Ultra-Trail-Rennen und Ernährung auf den Organismus zu bestätigen. Ich schreibe sorgfältig alles auf, was ich als Frau und Sportlerin im Alter von 42 Jahren erlebe. In den ersten Jahren meiner Läuferkarriere habe ich aus Zeitmangel andere sportliche Aktivitäten wie Skilaufen, Klettern, Radfahren usw. vernachlässigt, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, unterschiedliche Aktivitäten auszuüben.»
 
Ein ehrgeiziges Lebensziel
«Ich schöpfe die Kraft, für das was ich tue, aus meinem Wunsch, hundertprozentig vom Leben zu profitieren. Man lebt schließlich nur einmal! Die wichtigsten Eigenschaften für das, was ich mache, sind für mich Ausdauer und Willenskraft. Das tägliche Laufen gibt mir das Gefühl lebendig zu sein und ich bin glücklich, diese Momente erleben zu dürfen. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich alle Notizen der vergangenen Jahre nehmen, um ein Buch zu schreiben und meine Erfahrungen und die fabelhaften Fotos meines Mannes mit anderen zu teilen. Der perfekte Tag für mich wäre, wenn ich an einem Tag alles ordnen könnte, was ich in 15 Jahren nicht geschafft habe (auf unserem großen Bauernhof mit den am höchsten gelegenen Fremdenzimmern des Zentralmassivs) und dann noch Zeit hätte, mich um meine Kinder zu kümmern.»

picto plus Bedeutende Leistungen

Eine große Siegesserie im Jahr 2006
- Ultra Trail Tour du Mont Blanc in 25 Std. 22 Min
- Grand Raid de la Réunion, auch "Diagonale des Fous" genannt
- Ultra Trail les Templiers in den Cevennen und den Causses, Frankreich

Doppelsieg bei den französischen Meisterschaften 2007, 24-Stunden- und 100 km-Rennen.
Welt- und Europameisterin 2010, 24-Stunden-Rennen auf der Straße in Brive-la-Gaillarde.

picto photo Photos

Karine Herry in the UTMB start - photo © Lafouche