France

Enzo Oddo

Enzo Oddo profile - Photo © Arnaud Petit
  • 22 Februar 1995
  • Côte d’Azur (Frankreich)
  • 2010

Enzo, in der Blüte seiner Jugend…
 
«Das Klettern von Kindheit an, das hat mir gefallen. Warum? Ich bin in Nizza geboren. Dort gibt es Felsen in Hülle und Fülle und keine schlechte Jahreszeit. Klettern ist ganz leicht. Meine Eltern sind geklettert. Bereits in meinen ersten Lebensjahren nahmen sie mich mit zu den Felsen. Sie sind wie mein Zuhause.
Bis zum Alter von dreizehn Jahren liebte ich die Felswände der Côte d’Azur, aber jetzt nach all den Reisen mit dem Petzl-Team ist das Vergnügen hier für mich nicht mehr so groß.»

Meine Lieblingslandschaften?
«Mit dem Team entdecke ich so viele fantastische Klettergebiete. Wir reisen in diese Gebiete, um neue Kletterrouten zu erschließen. Wir sind immer in der freien Natur und von der Außenwelt abgeschnitten. Die perfektesten für mich sind die Boulder in Bishop, Millau, im Tarn, im Briançonnais, Entraigues und Roche de Rame. In diesen Bergen fühle ich mich wohl. Ich brauche vielleicht Ruhe, Gelassenheit...»
 
Das Gefühl vorwärts zu kommen
«Was mir am Klettern gefällt? Ich weiß es nicht. Es gefällt mir einfach. Ich habe keine langfristige Motivation. Aber im Augenblick bin ich sehr motiviert. Es ist ein Ganzes, etwas das mir immer wieder neue Energie gibt. Was mir bei der Bewältigung einer Kletterroute gefällt, ist nicht der Erfolg. Es ist das Gefühl, dass es vorwärts geht. Das Gefühl zu haben, in dem was ich tue aufzugehen, wie ein Tag, an dem alles richtig läuft, ohne dass du weißt warum.»
 
Die Zukunft?
«Diese Frage stelle ich mir nicht. Ich werde sehen. Ich würde gerne weiterhin möglichst viel klettern. Ich sehe mich allerdings nicht bis zur Rente im Klettersport. Das ist nicht mein Ding! Ich habe keine Lust, das Staatsexamen als Kletterlehrer zu absolvieren oder eine Trainings- oder Ausbildungseinrichtung aufzumachen. Auf der anderen Seite kann ich mir ein Leben ohne den Klettersport aber auch nicht recht vorstellen. Ansonsten vertraue ich auf die Zukunft. Zu Anfang war es schwierig, meinen Eltern beizubringen, dass ich mit der Schule aufhöre. Heute unterstützen sie mich. Ich schulde ihnen großen Dank. Sie sagen, ich soll mein Leben so gut wie möglich meistern und das, wozu ich wirklich Lust habe, ernsthaft betreiben. Mit 17 Jahren kann man schon ein bisschen ernsthaft sein.»
 
Schwierigkeiten, Zwänge?
«An den Dingen arbeiten, in denen ich nicht gut bin. Ich muss dazu mich zwingen, meine Ausdauer zu trainieren. Im Übrigen nehme ich nicht an Wettkämpfen teil, also habe ich auch keine Zwänge. Wettkämpfe nehmen zu viel Zeit in Anspruch. Das Klettern in der Halle verkörpert nicht das, was ich mir vorstelle. Es ist etwas anderes. Ich schaffe es nicht, mich am Kunststoff zu verwirklichen. Für mich hat das nichts mit dem Sport zu tun, den ich in der Natur und in vollkommener Freiheit ausübe.»
 
Im Leben...
«Die Menschen, mit denen ich mich am besten verstehe, sind Kletterer. Im Augenblick bin ich nur mit Kletterern zusammen und oftmals mit Kletterern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Mein Lieblingsbuch ist "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson. Mein Lieblingsfilm ist "A serious man" der Brüder Coen.»
 
Eine Anekdote von Enzo
«Auf einer Party unter Freunden im März 2011 frage ich einen Bekannten, ob er Lust habe zu klettern? Er ist einverstanden. Ich nehme ihn also mit auf eine Baustelle in der Nachbarschaft und klettere mit ihm zu einem Balanceakt auf den Kran. Er hat in seinem ganzen Leben noch nie einen Klettergurt angelegt. Es ist 3 Uhr morgens. Wir haben keine Erlaubnis. Wir haben weder eine Stirnlampe noch einen Helm. Wir sind gerade sechzehn Jahre alt. Wir haben ein Seil, ein GRIGRI und eine Schlinge für uns beide. Er braucht jedes Mal eine halbe Stunde, um eine Stange hochzuklettern. Wir wollten eine Trapeznummer wie im Zirkus vollführen, aber in der Mitte des Auslegers hat er keine Kraft mehr und stürzt. Er hat sehr große Angst. Die Lage auf dem Kran ist ziemlich kritisch. Charles zappelt herum. Wir sind trotz allem angeseilt. Ich drifte zur Seite. Ich bringe ihn nach unten. Es endet gut.»
 
Sie sprechen über Enzo:
Mike Fuselier
«Enzo ist für mich ein Jugendlicher, der voller Überraschungen und Spontaneität steckt. Mit Enzo zu klettern ist wie eine Schachtel Pralinen, du weißt nie, was als Nächstes kommt... Es gibt viele Anekdoten zu erzählen, aber eine ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Die Szene spielt sich in einem Guest House in Cuba ab. In einer Diskussion über amerikanische Filme hebt Enzo den Mut von Jean-Claude Van Damme hervor, der in der Lage ist, eine aus 10 m Höhe fallende Kokosnuss mit den Bauchmuskeln abzufangen. Wir wollten ihm diese fantastische Erfahrung ermöglichen und seinen Mut auf die Probe stellen. Also haben wir ihm kurzerhand die Augen verbunden und Wasserflaschen auf seine stahlharten Bauchmuskeln prasseln lassen. Seine Furcht ist schnell in eine Herausforderung umgeschlagen und Enzo wollte wissen, welche Schlagkraft er einzustecken könne. Das Spiel hat einige Minuten gedauert und Enzo hat die auf ihn niederprasselnden Schläge souverän weggesteckt - zumindest für den Augenblick. Am nächsten Tag konnten wir an den blauen Flecken die Zahl der eingesteckten Schläge abzählen. "Das stärkt die Muskulatur und ist gut für einen flachen Bauch", so der O-Ton von Enzo. Jetzt wisst ihr Bescheid...»
 
Aymeric Clouet
«In der Taghia-Schlucht im marokkanischen Atlasgebirge haben Arnaud und ich bei einer theoretischen Trainingssitzung mit praktischen Aufgaben Enzo die Grundtechniken der Bewegungsabläufe beim technischen Klettern mit einem Goutte d'Eau Hook sowie die Sicherheitshandgriffe und den Aufstieg am Seil mit Seilklemmen mit Griff erklärt. Nach einer Weile hat Enzo abgeschaltet, er hörte nicht mehr zu, war überhaupt nicht mehr anwesend und wir haben es aufgegeben und uns gesagt, dass wir später weitermachen würden. Kurz darauf wurde uns klar, dass er alles verstanden hatte. Enzo lernt schnell, er verarbeitet alles sofort und hat außerdem ein sehr gutes Gedächtnis. Dieser Junge ist einfach genial.»
 
Nina Caprez
«Ich habe eine sehr schöne Erinnerung an unsere Reise nach Kuba zusammen mit Enzo. Der Titel könnte eine kurze Psychoanalyse lauten.
Es ist der letzte Tag, und wir sind an den Strand gegangen. Gewöhnlich nimmt es Enzo mit der 'Sauberkeit der Kleidung' nicht so genau. Aber an diesem Tag hat er für die Rückkehr saubere Kleidung zum Wechseln mitgenommen. Er hat sich herausgeputzt für die Rückfahrt mit dem Bus. Wir hatten noch unsere Badesachen an und Cédric ist nichts Besseres eingefallen, als Enzos Klamotten mit Cola zu bespritzen. Angesichts der Seltenheit dieses Zustands bei Enzo (saubere, strahlend weiße Sachen) ist das, was dann geschah einfach köstlich. Enzo war furchtbar wütend und hat lautstark zum Besten gegeben "Verdammt noch mal, ich war perfekt!" Wir haben viel über diesen Satz gelacht, er übrigens auch, nachdem er sich darüber klar geworden ist, was er gesagt hat. "Ich war perfekt", der O-Ton von Enzo.»

picto plus Bedeutende Leistungen

Sportklettern
- Ceüse (Gap, France) «Biographie» (9a+) 2010.
- Entraigues (Briançonnais, France) «San Ku Kai» (9a) 2011.
- Gorges du Loup (Alpes maritimes, France) «Puntx» (9a) 2011.
- Sainte Victoire (Provence, France) «Aubade directe» (9a+) 2011.

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Website :
www.enzo-oddo.fr

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Video playlist featuring Enzo Oddo

Enzo Oddo sends Biographie (9a+) - Photo © Sam Bié