Nepal

Dachhiri Dawa Sherpa

Dachhiri Dawa Sherpa - photo © Jocelyn Chavy
  • 3 November 1969
  • Raum Genf (Schweiz)
  • Bergführer und Maurer
  • Maurer
  • 2004

Tausende Kilometer um die Welt gelaufen, eine Spur...
"Ich laufe aus Freude an der Entdeckung in jeder Hinsicht: Begegnung mit Menschen, neuen Orten, anderen Kulturen."
 
Auf den Sieg kommt es nicht an
"Ich habe nichts Besonderes geleistet, auch wenn viele Leute mir sagen, ich sei ein Vorbild und dass sie durch mich angefangen haben zu laufen. Ich laufe aus Vergnügen, um Menschen zu begegnen und Freundschaften zu schließen. Ich betrachte mich als Amateurläufer. Der Sieg ist nicht wichtig für mich. Wenn ich den ersten Platz erreiche, freue ich mich. Und wenn nicht, bin ich trotzdem zufrieden. Bei jedem Rennen versuche ich, die Dinge besser zu verstehen und nachzuvollziehen. Was für mich wirklich zählt ist, mich dem Gelände anzupassen, meinen Laufstil zu beherrschen, die Anstrengung zu vergessen, mich technisch zu verbessern, um Kraft zu sparen. Ich versuche, den Schmerz mit mentaler Kraft zu beherrschen. Ich akzeptiere, was mein Körper leisten kann oder was er mir zu leisten gestattet."
 
 

Laufen, mit anderen teilen
"Meine wichtigsten sportlichen Aktivitäten sind Skilanglauf im Winter und Trailrunning im Sommer. Dazwischen arbeite ich als Maurer auf der Baustelle. Mein täglich mit dem Fahrrad zurückgelegter Arbeitsweg ist mein Training, ich fahre jährlich ca. 5000 km. An ein bis zwei Abenden in der Woche und natürlich am Wochenende laufe ich, um in der Natur, d.h. in meinem Element zu sein. Das Trailrunning entdeckte ich bei einer Veranstaltung, die ein Schweizer 1994 im Nepal organisierte. Es war das erste Mal, dass ich an einem Wettkampf dieser Art teilnahm. Bis dahin habe ich nur Karate und Kung Fu praktiziert. Die Berge kenne ich seit meiner Kindheit. Wälder, Blumen und Tiere waren mir sehr vertraut, aber nichts in meiner Kindheit deutete darauf hin, dass ich eines Tages ein Läufer sein würde. Ich wollte Schaman, also Arzt werden. Ich kann sehr gut mit Kindern umgehen. Ich gebe zuweilen kurze Konferenzen in den Schulen über mein Leben in Nepal. Kinder sind wissbegierig und möchten erfahren, was in der Ferne passiert."
 
Streben nach Gelassenheit
"Um das zu tun, was ich mache, brauchst du keine besonderen Qualitäten sondern einfach nur Willenskraft. Die nötige Energie schöpfe ich aus meiner Art zu denken. Das hat mich meine buddhistische Erziehung im Kloster gelehrt. Ich glaube, dass meine Laufbahn und mein Gleichmut gegenüber den Dingen mich von anderen Wettkämpfern differenzieren. Die Entdeckung meines Ichs kann mit der Entdeckung der anderen gleichgesetzt werden. Durch mein ständiges Bemühen um Aufgeschlossenheit kann ich die nötige Energie kanalisieren, um gelassen zu bleiben."
 
Ein Projekt
"Ich würde gerne eine Langlaufstation und eine Sportschule im Nepal eröffnen, um den jungen Leuten zu helfen und für nepalesischen Nachwuchs im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele zu sorgen. Ich träume davon, lauter arme Kinder um mich zu haben, die im Spiel Sport treiben und lernen, was Freundschaft und Selbstachtung bedeutet."
 
Eine Anekdote von Dawa: Begegnung in Neukaledonien
"Im September 2009 bin ich nach Neukaledonien gegangen, um an einem Rennen über eine Strecke von 107 km teilzunehmen. Jeder Läufer sollte die Patenschaft für ein behindertes Kind übernehmen. Diese Kinder hatten uns ausgewählt und sollten uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten entweder an den Start, ans Ziel oder einfach per Internet folgen. Ich übernahm die Patenschaft für Alexandre, einem querschnittsgelähmten 12jährigen Jungen. Wir hatten uns am Vorabend kennen gelernt. Wir hatten nur sehr wenig Zeit. Als ich das Rennen um 18.30 Uhr beendet habe, war es bereits dunkel und Alexandre wartete am Ende des Weges auf mich. Ich war dermaßen überrascht, dass ich nicht auf meine Füße achtete, über eine Baumwurzel stolperte und der Länge nach hinschlug. Alexandre hatte seine Eltern den ganzen Nachmittag angefleht, sie mussten die ganze Insel durchqueren, um ans Ziel zu gelangen. Er wollte auf keinen Fall meine Ankunft verpassen. Als dieses Kind mir meinen Blumenkranz überreichte, musste ich meine Tränen unterdrücken. Wir haben die restlichen Tage meines Aufenthalts zusammen verbracht. Selbstverständlich gab es beim Abschied Tränen. Wir sind bis heute in Kontakt geblieben und er erzählt mir, wie er seine Tage verbringt. Er hatte vorher schon Sport getrieben und hatte mir versprochen, dies auch weiterhin zu tun. Gestern habe ich ein Video erhalten, auf dem er die Transcalédonienne im Schoner meistert. Für mich ist das eine enorme Leistung."
 
Ein andere Bestimmung?
"Ich weiß nicht. Ich glaube, das ich das bin, was ich in meinem Leben auf der Erde sein möchte. Anderen Menschen gegenüber so gerecht wie möglich zu sein. Nicht neidisch oder missgünstig zu sein. Ich hätte auf jeden Fall mein Wissen über den Sport an junge Nepalesen weitergeben wollen, die keine Möglichkeit haben, Sport zu treiben."

picto plus Bedeutende Leistungen

Wettkämpfe
Sieger des Ultra Trail du Mont Blanc 2003.
Sieben Trailrunning-Siege im Jahr 2010:
- Trail de la Sainte-Victoire (Frankreich)
- Trail des Drailles du Vercors (Frankreich)
- Trail du Verdon Canyon (Frankreich)
- Trail de la Restonica (Korsika, Frankreich)
- Trail di Cervinia (Italien)
- Xtrail de Courchevel (Frankreich)
- Trail des Aiguilles Rouges (Frankreich)
 
Organisation von Wettkämpfen
- Seit Herbst 2008 Organisation des Solu Khumbu Trails im nepalesischen Nationalpark von Sagarmatha: www.solukhumbutrail.com
- Seit Mai 2011 Organisation des Extreme Trail der Vulkane auf der Insel Java

picto rss Andere Informationen

Filme
- Dachhiri Dawa Sherpa venu du pays des Dieux: ein Film von Jean-Michel Jorda
- La trace de DAWA : ein Film von Joël Doux und Jean François Santoni, DVD 2010
 
Buch
- Les cinq vies de Dachhiri Dawa Sherpa: Luc Beurnaux, Outdoor-editions 2010
 
Website
www.dachhiridawasherpa.com

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Dachhiri Dawa Sherpa - photo © Jocelyn Chavy