Philippe Batoux, Hochgebirgsführer und Professor an der ENSA, begleitet alle 3 Jahre fünf junge Alpinisten zur praktischen Ausbildung in verschiedenen Bereichen: Freiklettern, technisches Klettern, Eis-, Schnee- und Mixedgelände. Die letzte Etappe ist eine Expedition. In diesem Jahr begleiten ihn Maël Baguet, Kevin Peyre, Yoan Foulon, Eric Jamet und Dimitry Munoz nach Kanada.

Expeditionsbericht von Philippe Batoux...

 
 
© Collection Batoux

 
 Die letzten Lehrgänge haben uns nach Indian Creek (Rissklettern), Yosemite (technisches Klettern) und zum Mont-Blanc-Massiv (Mehrseillängenrouten) geführt. Das Thema der Ausbildung in Kanada war Eis- und Mixedklettern.

 

 

 Eine in Frankreich durchwachsene und in Nordamerika herausragende Saison
 

© Collection Batoux

Die Eisklettersaison in Frankreich war mittelmäßig, während über der Ostküste der USA ein eisiger Polarwirbel tobte. Das hat es zuvor noch nie gegeben, sogar die Niagara-Fälle waren zu Eis erstarrt! In den Alpen hat sich der Winter dagegen nicht blicken lassen. Nur in einigen italienischen Hochtälern, wie beispielsweise im Val de Cogne, waren die Bedingungen gut.

Der Westen Nordamerikas wurde von dieser Kältewelle nicht erfasst und der Januar war eher mild mit wenig Schneefall. Im Februar sanken die Temperaturen und das Thermometer stieg nicht mehr über -20°C, morgens in Canmore waren es häufig -35°C. So konnten sich die meisten Eislinien formen.

Es steht jedoch eine Instabilität der Schneedecke zu befürchten: In einem Monat mit Temperaturen von -30°C und geringen Schneefällen hat sich eine dicke Schicht von Becherkristallen gebildet. Anfang März haben sich vom Wind verwehte Schneemassen auf diese Schneedecke gelegt, was zu einer sehr gefährlichen Situation geführt hat. In allen Höhenlagen war die Lawinengefahr erheblich (Stufe 4)!! Was letztendlich nicht so gefährlich ist, denn bei einem solchen Risiko bleibt man im flachen Gelände…

 
 
 
 

 Ghost Valley, ein Traum wird Wirklichkeit

 © Collection Batoux
 

Es war schon lange mein Traum, im Ghost Valley zu klettern. Eine lange holprige Straße führt in das zwischen Calgary und Banff gelegene Tal. Über diese Straße kursieren die verrücktesten Gerüchte! Es wird erzählt, dass Geländewagen bei einem Schneesturm vollständig unter den Schneemassen verschwunden waren und die Kletterer ihre Fahrzeuge erst bei der Schneeschmelze im darauf folgenden Frühling wiedergefunden haben…

Für uns ist der Ausgang dieses Tages noch ungewiss, zumal es gerade geschneit hat. Zum Glück haben zwei mit Spikes ausgerüstete Geländewagen Spuren hinterlassen, ohne die wir die Straße nie gefunden hätten. 

Das Ghost Valley macht seinem Ruf alle Ehre. Alle Klettertouren, die wir unternehmen, sind der Mühe wert. Die fragile Fearful Symmetry, die Rainbow Serpent mit viel Blumenkohleis, heikles und ungewisses Mixedklettern in der Real Big Drip…

Die Schneebedingungen werden nicht besser und wir verzichten darauf, die berühmte "Polar Circus" zu klettern. Schade, denn die Bedingungen des Pencil, der äußerst selten geformt ist, schienen gut zu sein. 

 

 
  

 Die Trophy Wall mit drei klassischen Linien: Terminator, Replicant, Sea of Vapours.

Die "Terminator" war die erste 7 in der Geschichte und die "Sea of Vapours" die erste 7+. Diese Linie wurde 1993 von Joe Josephson und Bruce Hendricks erschlossen. Die Seilschaft musste die zweite Seillänge an Eisauflagen von nicht mehr als 5 cm klettern und hat dann einen Standplatz an einem ungewissen Camalot eingerichtet… Die Fortsetzung war weniger entmutigend. Guy Lacelle ist 1997 die drei Linien bei ungewöhnlich guten Bedingungen free solo geklettert. 

 

© Collection Batoux © Collection Batoux

 

In diesem Jahr sind die Linien dünn und allein die "Sea of Vapours" ist denkbar. Der Zustieg führt über steile, durch Felswände getrennte Schneeflanken und bei diesen Bedingungen scheint es kein leichtes Spiel zu werden. 

Maël und ich finden einen Weg zwischen den Felswänden, wo das Lawinenrisiko akzeptabel scheint und wir erreichen den Einstieg der "Sea of Vapours". Die Linie ist fantastisch, schmal und glatt: Eine erste klassische Länge führt zur Schlüsselpassage einer schlecht gesicherten Querung von vier Metern im Mixedgelände, danach kommen Eisauflagen von unterschiedlicher Dicke. Das gesamte Team wird diese legendäre magische Linie klettern. 

Unser eigentliches Ziel war, einen der hohen Berge der Rockies, den Howse Peak, zu besteigen. Steve House und Will Gadd hatten hier zwei fantastische Linien entdeckt. Die Lawinengefahr war unverändert und die Wand war mit unzähligen Felsvorsprüngen übersät: Diese Linien bleiben weiterhin im Projektstadium...  

 

 

 Der Grand Teton als krönender Abschluss unserer Expedition

 
© Collection Batoux

Weiter südlich hat es weniger geschneit und wir beschließen, zum Grand Teton in Wyoming aufzubrechen. Es handelt sich um einen prachtvollen Gipfel von 4200 Metern oberhalb von Jackson Hole. Wir platzen mitten in die Snowcross-WM hinein. Eine andere Welt. Andere Menschen. Andere Merkmale: Caps, Leder-Kombi und Riesen-Geländewagen, neben denen ein Q5 wie eine Majorette wirkt… Ein echter Kulturschock! 

Aber Amerika ist so groß, dass wir keinem einzigen Schneemobil begegnen. In der Südwand des Gran Teton klettern Renaud, Yoan und ich einen herrlichen Eisfall. Fantastische, von der Sonne beschienene Längen bilden den krönenden Abschluss dieser wunderbaren Reise. 

Zwölf Stunden Autofahrt bis Calgary, dann 14 Stunden Flug und um 30° C gestiegene Temperaturen: Wir sind im Frühling angekommen.