Petzl hat Caroline Gleich, Skifahrerin und Bergsteigerin, und Nate Smith, Kletterer und Bergführer, bei ihrer kürzlichen Reise in Ecuador unterstützt.
Die beiden amerikanischen Bergprofis haben auf ihrem Trip sehr viel gelernt und beschlossen, eine Kurzfassung ihrer Erfahrungen in nachfolgendem Blog-Artikel zu teilen.

 

Le choix du matériel est primordial. Mise au point des bagages avant le départ. Photo: © Mike Schirf
Bei einer solchen Reise ist die Wahl der Ausrüstung von entscheidender Bedeutung. Caroline Gleich bei der letzten Überprüfung ihres Gepäcks. Foto: © Mike Schirf.

 

Nate Smith und  ich sind gerade von einer erfolgreichen Reise heimgekehrt. Das Ziel dieser Reise war die Besteigung der drei höchsten Gipfel in Ecuador und die anschließende Abfahrt mit Ski. Das Ganze in sieben Tagen. Wie bei den meisten Reisen dieser Art waren wir mit einigen logistischen Schwierigkeiten konfrontiert und mussten unsere Route mehrmals korrigieren. Die Ankunft am Fuß der Berge war bereits ein großer Sieg. Trotz aller Hindernisse waren wir ziemlich flexibel, was es uns letztendlich ermöglicht hat, unsere Ziele zu erreichen.
Am 23. November stand als erstes die Besteigung und Abfahrt des Cayambe (5.970 m) auf dem Programm, dann am 26. November der  Cotopaxi (5.897 m) und schließlich am 29. November der Chimborazo (6.310 m). Der Cayambe ist  der einzige Gletschergipfel, der sich direkt am Äquator befindet. Der Cotopaxi ist der höchste mit Schnee und ewigem Eis bedeckte aktive Vulkan und der Chimborazo ist der am weitesten vom Zentrum der Erde entfernte Gipfel. Jeder einzelne Gipfel hat uns vor unterschiedliche Herausforderungen gestellt. Diese Reise hat es uns ermöglicht, unsere Grenzen beim Skibergsteigen auf einem Gletschergelände in großer Höhe zu verschieben. Nach der Bewältigung einiger logistischer Probleme haben wir folgende Erfahrungen mit nach Hause gebracht.  

 

10 Tipps von Caroline und Nate für Ansteige und Abfahrten der Vulkane in Ecuador:

1. Den Wecker stellen.  Bereiten Sie sich darauf vor, früh (sehr früh) aufzustehen, denn der Tag der Gipfelbesteigung ist lang. Die Sonneneinstrahlung ist am Äquator sehr intensiv und die Gletscher erwärmen sich schnell. Das Wetterfenster bei Sonnenaufgang ist kurz und in der Regel ziehen gegen 9.30 Uhr Nebel und Wolken auf. Für jeden Gipfelanstieg stiegen wir am Vorabend gegen 22 Uhr auf, um zu frühstücken und uns zwischen 23 Uhr und Mitternacht auf den Weg zu machen. Meine Tikka RXP Stirnlampe von Petzl hat mir beim Aufstieg in der Nacht den Weg geleuchtet. Die automatische Anpassung der Leuchtkraft im Reactive Lighting Modus hat prima funktioniert, während das Halbdunkel allmählich dem Tag wich.

2. Ausrüstung aus Stahl. Im schnellen und leichten Modus werden häufig Steigeisen und Eisgeräte aus Aluminium bevorzugt. Für diese Reise ist unseres Erachtens eine Ausrüstung aus Stahl sehr viel zuverlässiger und aufgrund des stark zurückgehenden Gletschers zwingend notwendig, um unser letztes Ziel, den Chimborazo, zu erreichen. Die Eisschmelze wird durch einen benachbarten Vulkan, der in regelmäßigen Abständen Asche auf die ewigen Schneefelder des Chimborazo speit und dadurch große Bereiche von Eis- und Mixedgelände schafft, noch verstärkt. Bei unserem Anstieg war der Chimborazo mit schwarzem Eis bedeckt. Mein Summit-Eisgerät von Petzl und meine Irvis-Steigeisen haben mir gute Dienste geleistet. 

 

Départ alpin au Cayambe juste avant d'attaquer la neige. Une forêt de penitents sur les flancs du Chimborazo.
Links: Wir mussten früh (sehr früh) aufstehen. Rechts: Ein Wald von "Pénitents" (zu Deutsch Büßer, an eine Gruppe von Ordensbrüdern erinnernde Eisformationen) an den hohen Flanken des Chimborazo. Um diese Berge zu erklimmen, ist eine sehr gute körperliche Kondition erforderlich.

 

3. Einen Bergführer nehmen. Es ist derweil die einzige Möglichkeit, um in die Berge Ecuadors vorzudringen. Vor Ort arbeiten etwa 150 staatlich geprüfte  Bergführer, von denen 12 über die IVBV-Berechtigung verfügen. Es ist ratsam, die Dienste eines staatlich geprüften Bergführers in Anspruch zu nehmen. Um optimal von Ihrer Tour zu profitieren, sollten Sie sich vor dem Anstieg ausführlich mit dem Bergführer unterhalten, ihn über Ihr Niveau in Kenntnis setzen und Ihre Erwartungen klarstellen. Kameraden einer Seilschaft sollten sich die Zeit nehmen, sich vor Beginn der Tour richtig kennen zu lernen. 

4. Sich akklimatisieren. Wenn Sie aus dem Flachland kommen, empfiehlt es sich, einige Nächte in Quito (2.850 m) zu verbringen, bevor Sie höhere Lagen in Angriff nehmen. In Quito gibt es eine Seilbahn, die Sie bis auf 4.100 Meter befördert. Von dort aus können Sie zu Fuß zum Gipfel des Rucu Pichincha (4.696 m) gehen, ein Fußmarsch von fünf Stunden hin und zurück. Wir sind anschließend direkt zum Cayambe aufgebrochen, aber andere Gruppen beschlossen, den Illiniza Nord (5.126 m) zu besteigen, um die Akklimatisierungszeit zu verlängern. Wenn Sie sich fit fühlen, können Sie direkt zur Hütte des Cayambe aufsteigen, um die Nacht auf 4.600 m zu verbringen und am nächsten Morgen den 5.970 m hohen Gipfel zu erklimmen. Anschließend wird der Cotopaxi in Angriff genommen und als krönender Abschluss der Chimborazo. Um sich in diesen Höhenlagen körperlich fit zu fühlen, ist ein realistisches Akklimatisierungsprogramm unverzichtbar.

5. Fahren. Wenn Sie einen guten Orientierungssinn haben und mit dem Umgang eines Geländewagens vertraut sind, können Sie selbst fahren, aber Vorsicht, für die Fahrt zum Cayambe benötigen Sie ein Geländefahrzeug mit sehr guter Bodenhaftung. Die Zufahrtsstraße zum Cotopaxi ist asphaltiert, aber oftmals vereist. Das Einfachste ist, einen Fahrer zu engagieren oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Sie erreichen die Berge von Quito aus in eineinhalb bis drei Stunden. Es ist theoretisch möglich, Anstieg und Abfahrt jedes Gipfels an einem Tag zu bewältigen, aber die logistischen Probleme sind nicht immer so schnell und einfach zu lösen. Die Eingänge zu den Nationalparks schließen zwischen 14 und 17 Uhr und oftmals muss ein Bergführer die Erlaubnis vorher einholen, was bedeutet, dass Sie mindestens eine Nacht im Park, entweder in einer Berghütte oder in einer anderen Unterkunft, die als Basislager dient, verbringen müssen.

 

De retour sur le sentier après une ascension et une descente intégrale à ski du Cayambe.
Zurück auf dem Weg nach der Besteigung und Abfahrt des Cayambe. In Ecuador benötigen Sie ein wohldurchdachtes System technischer Kleidungsschichten, um für das ständig wechselnde Wetter in den Bergen gewappnet zu sein.

 

6. Eine Unterkunft finden. In den Bergen können Sie in den oftmals kleinen und rustikalen Hütten (ähnlich wie in Kanada oder in Colorado) übernachten, sofern diese geöffnet sind. Während unseres Besuchs waren zwei Hütten wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Am Cayambe gibt es außer der Hütte keine Übernachtungsmöglichkeit. Vor der Besteigung des Cotopaxi sollten Sie sich eine angenehme und erholsame Nacht in der komfortablen Herberge Tambopaxi   gönnen. Hier können Sie auch eine köstliche Mahlzeit zu sich nehmen. Im Basislager von Chimborazo bietet die Unterkunft "Estrella del Chimborazo"   eine interessante Option.

7. Sich gesund ernähren. Wenn Sie die höchsten Gipfel in Ecuador erklimmen wollen, sollten Sie auf den Konsum von Alkohol verzichten, da er die Akklimatisierungsfähigkeit des Körpers reduziert. Weitere Tipps in Sachen Ernährung: Sie müssen viel essen (aus Spaß sagten wir, dass unsere Reise aus drei Aktivitäten bestand: Schlafen, Essen, Aufstieg). Am Vorabend einer Gipfelbesteigung sollten Sie eine Mahlzeit zu sich nehmen, die  möglichst viel langsam verwertbare Kohlenhydrate enthält. Bei intensiver körperlicher Anstrengung in großer Höhe fällt es dem Körper schwer, Nahrung zu verdauen. Sehen Sie deshalb Powergels, Müsli- und Energieriegel vor. Wir hatten den Clif Shot Electrolyte Energy-Drink, Powergels und andere leicht verdauliche Energiespender wie Clif Shot Bloks dabei. Außerdem ist nicht überall Wasser verfügbar, denken Sie also daran, Wasser in hinreichender Menge mitzunehmen.   
 

8. Sich schützen. Eisschrauben vs. Schneeanker. Für die Bedingungen hier werden beide benötigt – eine Laser Speed Eisschraube 17 cm von Petzl und ein Yates Schneeanker (stärker als der Schneeanker MSR Coyote). Ein drittes Eisgerät pro Seilschaft (z.B. ein Sum’tec mit Hammer von Petzl) kann zum Setzen der Schneeanker nützlich sein.

 

Le terrain change lorsque nous nous approchons du plateau sommital du Chimborazo.
Das Terrain ändert sich, als wir uns dem Gipfelplateau des Chimborazo nähern. Bei einer Tour in diesen Höhenlagen ist es besser, keinen Alkohol zu trinken, da er die Akklimatisierungsfähigkeit des Körpers reduziert.
 

9. Mehrere Kleidungsschichten tragen. Die Lage am Äquator  macht die negativen Temperaturen zwischen  5.800 und 6.000 m sehr viel angenehmer als im Norden. Das bedeutet, Sie benötigen mehrere Schichten von technischen Kleidungsstücken, um sich dem rapide wechselnden Wetter in den Bergen anpassen zu können.  Wir wurden mit häufigen Schnee- und Regenfällen konfrontiert. Da das Tragen eines Gurts auf dem Gletscher unverzichtbar ist, ist das Wechseln der Hose auszuschließen. Deshalb haben wir uns beide für eine Hardshell-Hose entschieden. Die Bekleidung des Oberkörpers bestand aus einer Mischung aus leichten und dicken Kleidungsstücken. Ich hatte Folgendes dabei: eine dicke Unterziehhose und eine Hose aus Gore-Tex Pro Shell. Außerdem ein T-Shirt aus Merinowolle, ein dickes Unterziehshirt mit langen Ärmeln, die Houdini Jacke von Patagonia, eine Hardshell-Jacke aus Gore-Tex Pro Shell und als Isolationsjacke die Nano Puff von Patagonia (für den Chimborazo, den höchsten von uns erklommenen Gipfel, habe ich eine dicke Daunenjacke getragen). Außerdem hatte ich Gore-Tex-Handschuhe mit Primaloft-Isolation dabei (und Handwärmer, die in sehr großer Höhe prima funktionierten), eine polarisierte Sonnenbrille,  eine Brille mit photochromatischer Scheibe, einen Helm, eine Mütze und eine Sturmhaube).
 

10. Trainieren. Der Körper verausgabt sich in großen Höhen besonders stark, vor allem wenn Sie mehrere Gipfel hintereinander erklimmen und einen schweren Rucksack tragen. Ein gutes Training im Vorfeld erhöht die die Wahrscheinlichkeit, diese prachtvollen Gipfel zu erreichen.
Also, stecken Sie Ihre Ziele hoch, seien Sie vorsichtig und amüsieren Sie sich gut!!

 

 

Ausrüstung zum Skibergsteigen

 

 

Weitere Informationen

- Caroline Gleich

- Nate Smith