Vor einigen Monaten erhielten wir eine E-Mail von Gord McArthur, einem unserer Athleten. Gord ist ein talentierter und motivierter Eiskletterer und gehört der kanadischen Nationalmannschaft an.  Aufgrund seiner Performance bei den Weltmeisterschaften im Eisklettern 2013 in Kirov (Russland) wurde Gord zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi eingeladen, wo er die Disziplin des Eiskletterns während des Kulturprogramms der Olympischen Spiele präsentiert. Wir haben es geschafft, uns mit ihm zwischen zwei Trainingseinheiten zu verabreden, um ihm ein paar Fragen über Sotschi und die Zukunft des Eiskletterns als olympische Sportart zu stellen.

 

Gord McArthur ice climbing at the Italian World Cup. Photo: © Alutech Italien
Gord McArthur in voller Aktion beim Weltcup in Italien: © Alutech Italien 

 

Wo liegt der Unterschied zwischen einer "kulturelle Sportart" und einer offiziellen Sportart? Besteht die Möglichkeit, dass sich das Eisklettern eines Tages als offizielle Sportart  etabliert?
Das Eisklettern ist seit etwa drei Jahren in den olympischen Überlegungen präsent. Es gehört aktuell in die Kategorie "kulturelle Sportart". Die zuständigen Instanzen bewerten aktuell das Potenzial des Eiskletterns und könnten die Sportart eventuell bereits 2018 zur Olympiade in Korea etablieren.   Deshalb ist es wichtig, in diesem Winter an den Olympischen Spielen in Sotschi teilzunehmen. Es besteht eine begründete Hoffnung für das Eisklettern, da die Disziplin von vielen Menschen unterstützt wird. Es ist schade, dass das Sportklettern es nicht geschafft hat, so dass das Eisklettern jetzt die letzte Hoffnung ist, dass der Klettersport in irgendeiner Form offiziell in die Olympischen Sportarten aufgenommen wird.

Wie groß ist die Zahl der Wettkämpfer?
Mindestens zwei oder drei Athleten pro Land. Die Art der Wettbewerbe, ob in Form von Wettkämpfen oder Vorführungen, ist noch nicht festgelegt. Diese Details werden mit Sicherheit bis Ende November entschieden. Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfällt, es ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, um der ganzen Welt zu zeigen, warum das Eisklettern es verdient, eine olympische Disziplin zu werden.

Wie kam es zu Ihrer Einladung?
Die Kriterien basierten zunächst auf den im Weltcup erzielten Punkten. Bei den Weltmeisterschaften in Kirov 2013 war ich unter den ersten fünfzehn, das hatte ein Amerikaner seit vielen Jahren nicht mehr geschafft. Dadurch konnte ich das beste Endergebnis in Nordamerika erzielen.

Was bringt das Eisklettern in Sotschi der Disziplin?
Es ist ganz einfach großartig. Es ist eine einmalige Gelegenheit, einen neuen Sport vorzustellen und eine große Zahl an Zuschauern zu erreichen, die nicht wissen, wie toll das Eisklettern ist. Die Olympischen Spiele müssen aus Sportarten bestehen, die die Zuschauer sehen möchten. Die „extreme“ Seite steht dabei nicht wirklich im Mittelpunkt, es ist vielmehr die Kühnheit, die den Zuschauer „an den Rand des Sitzes“ rutschen lässt.

Was bedeutet diese Einladung für Sie?
Jeder Wettkämpfer wird mich verstehen, wenn ich sage, dass ein Traum in Erfüllung geht, es ist eine einmalige Gelegenheit im Leben eines Sportlers. Auch wenn das Eisklettern keine offizielle Sportart ist, die Tatsache, dass ich dabei war, dass ich so viele Menschen beeinflussen konnte, dass ich an der Entwicklung des Eiskletterns als sportliche Disziplin mitgewirkt habe, das ist ganz einfach großartig.

Wie bereiten Sie sich auf Olympia vor?
Ich habe den ganzen Sommer über ein intensives Trainingsprogramm absolviert, das weit über meine gewöhnlichen Grenzen hinausgeht, um in der Wettkampfsaison (Weltcup) zehnmal fitter als sonst zu sein.

Tipps für das Training?
Für den reinen Wettkampf ist ein intensives Training an künstlichen Strukturen wichtig. Je mehr sich das Training an den tatsächlichen Bedingungen orientiert (d.h. an den Strukturen beim Weltcup), desto besser ist es. Anders gesagt, ich muss meine Leistungskraft voll entwickeln. Je größer meine Leistungskraft ist, desto weniger muss ich mich um andere Dinge (wie z.B. die Ausdauer) sorgen.  

Welche Eisgeräte benutzen Sie im Wettkampf?
Hauptsächlich das NOMIC. Es ermöglicht eine große Bewegungsfreiheit beim Klettern und gewährleistet in weniger steilem Terrain sehr guten Halt.

Wer sind die Favoriten für diesen Wettbewerb?
Bei den Wettkämpfen im Eisklettern sind in der Regel die Russen oder Koreaner ganz vorn. Aber das wird sich in diesem Jahr sicher ändern.

Welches ist Ihr Lieblingsspot beim Eisklettern, wenn Sie nicht im Wettkampf sind?
Ganz klar die kanadischen Rocky Mountains! Aber mir gefällt auch das Drytooling in Usine in Frankreich. Es ist eine riesige Höhle, ideal zum Drytooling, spielerisch wie an keinem anderen Ort.

 

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