VIDEO - Bergsteigen - Eröffnung am ​Latok 2, Pakistan, im Alpinstil

Mathieu Maynadier, Alpinist und Mitglied des Petzl-Teams, erzählt von seiner Reise in die Berge Pakistans. Die Gruppe, zu der auch Antoine Bletton, Sébastien Ratel und Pierre Labbre gehörten, hat an der Südwestwand des Latok2 auf 7020 m Höhe eine 2000 m lange Route im Alpinstil (M5, ED-) eröffnet. Bericht.

"Nach Pakistan… ?? Was wollt ihr denn da….?? Seid ihr verrückt? Da ist doch Krieg!!!"
Das sind in etwa die Reaktionen, die du in den Monaten vor dem Aufbruch nach Pakistan zu hören bekommst.

Aber Freunde von uns waren bereits dort und ihren Aussagen zufolge ist es ruhig in den Bergen, kein Grund zur Sorge. Aber dann, ein paar Tage vor dem Aufbruch wird es stressig: Aufstände auf dem Karakoam Highway, Racheakte zwischen verfeindeten Stämmen, viele Tote, gesperrte Straßen, blockierte Visa usw. Auch die Botschaft stellt uns die Frage: "Was wollen Sie da bloß?". Natürlich wissen sie nicht, dass hier die schönsten Berge sind! Wir führen zahlreiche Telefonate, um zu verstehen, was los ist, denn wir wollen auf keinen Fall unser fantastisches Projekt aufgeben. Und dann geht im letzten Moment doch alles klar! Wir reisen ab. Die Visa sind da. Ishaq, der Direktor der Agentur North Pakistan sagt, dass wir kommen können... Erleichterung. Kaum sind wir in Istanbul gelandet, brechen wir zu einer achtundzwanzig Stunden dauernden Autofahrt mit einem Fahrer auf, der keine Müdigkeit kennt.

Latok2
Der Karkaom Highway hat vom Highway nur den Namen. Ein Amerikaner würde hier seinen Pickup ruinieren...

Die holprige Straße ist nur abschnittsweise asphaltiert. Die Anfahrt zu den Bergen Pakistans hat es in sich! In regelmäßigen Abständen treffen wir auf Straßensperren, Militär, Bauern... alle mit einer Kalaschnikow. Uns ist nicht ganz klar, wer welche Aufgaben hat und wessen Worten wir Folge leisten sollen. Aber es scheint, als wollten uns alle beschützen. Afghanistan ist nicht weit. Aber es geht alles gut, wir kommen langsam vorwärts und die Berge werden sichtbar. Über das Hunzatal nähern wir uns dem Karakoam-Gebirge. Karimabad, die Hauptstadt von Hunza, ist ein grünes Paradies mitten in einem Meer aus Gestein, umgeben von lockenden Bergen: Rakaposhi, Ultar, Diran und der Spantik mit seinem berühmten Golden Pillar, der gar nicht weit ist...

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Frühstück *** in Karimabad mit dem Rakaposhi im Hintergrund

Nach einem kurzen Abstecher zum Skifahren mit anderen Ridern schließe ich mich in Skardu wieder dem Rest der Gruppe an, um uns den ernsten Dingen zuzuwenden. Obligatorischer Ausgangspunkt für jede Expedition ins Karakoam-Gebirge: der Ort Askole. Dieser Ort, der bei Alpinisten in der ganzen Welt bekannt ist und den wir uns wie ein kleines Chamonix vorgestellt hatten, hat uns verblüfft: Hier herrscht noch Mittelalter und die Menschen leben unter wirklich rauen Bedingungen. Ein Italiener, der vor einigen Jahren zum 50-jährigen Jubiläum der K2-Besteigung hierher gereist war, sagte: "Hier hat sich zumindest nichts geändert..." Ihr könnt euch die Zustände selbst ausmalen. Mit unseren komfortablen Lebensbedingungen fühlen wir uns im Vergleich dazu wie echte Prinzen!

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Zustieg über den Biafo... Es ist lang und flach!!!

Wir brechen mit einer Tonne Material und 45 Trägern auf... Wir haben vor, einen Monat in den Bergen zu verbringen. Schwieriges Trekking auf den beschwerlichen und riskanten Moränen des Biafo. Eine 
Expedition in dieser Region fordert seinen Tribut. Bei Ankunft im Basislager drei Tage später nehmen wir eine erste Erkundung der Wand in Angriff. Der Zustieg ist cool, aber das schlechte Wetter macht uns Sorgen. Es ist augenblicklich nicht möglich, die ganze Wand zu sehen. Wir sagen uns, dass es nach zehn Tagen schlechtem Wetter eigentlich nur besser werden kann. Wir akklimatisieren uns auf den umliegenden Gipfeln. Wir verbringen viel Zeit in unserem Zelt und spielen Karten. Und dann eines Tages die Überraschung! Per SMS werden wir im letzten Moment informiert, dass 48 Stunden schönes Wetter ankündigt sind. Wir rufen zurück und erhalten die Bestätigung.

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Es ist Mittag und wir besprechen die Lage. Nur zwei wirklich schöne Tage anstelle der vier eingeplanten, um die Route zu begehen. Wir sind nicht akklimatisiert, die Rucksäcke sind nicht gepackt und wir sind spät dran, um zum Fuß der Route aufzubrechen. Aber wir gehen trotzdem, die Rucksäcke sind schnell fertig, da wir eine Menge Verpflegung rausnehmen!!!!
 
T.1: 5 Uhr morgens, nach hohen verschneiten Hängen passieren wir auf 5050 m den Bergschrund und werden mit den ersten Schwierigkeiten konfrontiert.

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Passieren des Bergschrunds
 

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Zunächst ein nicht sehr steiles Mixedgelände, aber viel Schnee, dann ein halsbrecherischer Eishang und zum Schluss eine kleine ziemlich steile Rinne.

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Der Couloir Nord des Drus (aber diesmal ohne Abseilfahrt!!!)
 
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Mixedgelände zum Abschluss des ersten Tages.
 
 
20 Uhr: es schneit, wir schlagen einen kleinen Vorsprung in das Eis, das Erwachen wird bitter.
Da wir nicht schlafen können, machen wir Fotos.
 
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T.2: Wir haben letztendlich nicht geschlafen, so war zumindest das Erwachen nicht so schlimm!!
Gute Neuigkeit, das Wetter ist schön und der Schnee, der die ganze Nacht auf uns herabgeweht ist, lässt endlich nach, wir können aufbrechen. Es wäre super, wenn wir es heute etwas gemächlich angehen lassen könnten, um uns von gestern zu erholen und so die Chance zu haben, den Gipfel zu erreichen, der noch mehr als 1000 m über uns liegt. Nach zahlreichen Seillängen im Mixedgelände erreichen wir auf 6200 m am späten Nachmittag eine ebene Biwakstelle. Wir lassen unsere Ausrüstung trocknen und legen uns in die Sonne. Eine wahre Wohltat! Der morgige Tag wird hart.

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Ankunft im zweiten Biwak
 
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Sonnenaufgang über dem Ogre

 

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T.3: Aufbruch um 2 Uhr morgens Richtung Gipfel. Es bleiben noch 800 Höhenmeter, aber es scheint machbar: Hänge, einfaches Mixedgelände und ein nettes Ende... Doch es gibt eine Überraschung, das Mixedgelände ist alles andere als einfach und die Hänge sind gar nicht nett! Eine Spur von über 400 m in tiefem Schnee auf 7000 m Höhe, das ist hart und macht Angst!!!

 
 
 
 
 

18 Uhr: der Gipfel... Endlich, 100 m unter dem eigentlichen Gipfel, aber wir sind am Ende unserer Kraft und für morgen früh um 7 Uhr sind starke Schneefälle angekündigt. Bis dahin müssen wir den letzten Bergriegel passiert haben, der als Trichter dient für alles, was von oben herabfällt.

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  Gipfel!
 
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Uns steht eine Nacht Abseilen bevor

 

T.4: 1 Uhr morgens, Ankunft im letzten Biwak, kurze Pause, um die Rucksäcke neu zu packen und die Thermosflaschen zu füllen. Es ist kalt und wir werden allmählich ziemlich müde.

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Es schmerzt!!! und es ist noch nicht zu Ende...

Eine Abseillänge nach der anderen, die erste Person seilt ab und die drei anderen schlafen wie Zombies an jedem Stand ein.
9 Uhr: Letzte Abseillänge, also noch 40 m. Wir haben keine Kraft mehr, um die Muskeln in der Luft anzuspannen und den Rucksack zu halten, aber wir haben es geschafft, noch ein paar Meter verschneite Hänge und wir kommen zu unseren Skiern auf dem Gletscher.
10 Uhr: Passieren des Bergschrunds, geschafft! Nach vier Tagen und 36 Stunden ohne Schlaf legen wir am Fuße der Felswand unsere Skier an und fahren in Richtung Basislager.
13 Uhr: Ankunft im Basislager, müde aber glücklich, dass wir diese unerwartete Schönwetterperiode nutzen konnten.

Latok2
Phida und Mouzaire ganz oben!
 
 

VIDEOVIDEO - Alpinismus am Latok2 - Théorème de la peine

 
"Eloge de la peine... ein trauriger Name! so die ersten Reaktionen der Leute...
Aber nein, das ist nicht traurig, genauso wenig, wie Pakistan gefährlich ist. Es ist schlicht und einfach eine Hommage an die Pyrenäen, die Pierre vertritt: "Wir sind wirklich zu bedauern", so seine Worte zwei Minuten vor dem Gipfel. Die Entscheidung fällt für "Théorème de la peine" als Hommage an das Buch von Greg Child "Théorème de la peur". Durch diese Reise haben wir Fortschritte gemacht und sind reifer geworden. Wir sind jetzt bereit, etwas Höheres, Härteres zu versuchen.
 
Ich danke den Pakistani, Yann, Phida und Mouzaire, die sich einen Monat lang im Basislager um uns gekümmert haben.
Ich danke den Unternehmen Petzl, The North Face, Béal, Julbo und Asolo, die es mir ermöglichen, diese Projekte zu verwirklichen!

 
  -- Mathieu Maynadier

 

 
 

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